Nun aber zum zweiten Länderwechsel: nach China. Dort, in Zhongshan, wohnt Qians Mutter und ihr Bruder. Am Abend erreichten wir Guangzhou, nahmen den etwa zweistündigen Bus nach Zhongshan, schließlich mit Didi, dem Über von China, zum Hotel, im selben Wohngebiet, in dem Qian mit ihren Eltern früher gewohnt hat. Als diese dort einzogen, war gerade das Farmland bebaut worden. Über Jahrhunderte wurde in Zhongshan Land dem Meer abgerungen, aus Inseln wurde Festland, in den letzten vier Jahrzehnten wurde vieles davon bebaut.
Am nächsten Tag war dann Familie angesagt. Wir waren bei Qians Mutter und gingen mit ihrem Sohn, Qians Bruder, und dessen Partnerin essen. Dazu gesellte sich ihr Sohn, der die meiste Zeit in der Schule verbringt, wo er, wie die meisten seiner Mitschüler:innen, auch wohnt. Derzeit ist sehr viel Stress angesagt: Nächsten Monat sind Abschlussprüfungen. Da vieles, wie z.B. die Zulassung zur Uni, einzig und allein davon anhängt, sind wirklich alle, inklusive Eltern, sehr gestresst, Ich habe mit ihm ein wenig Bilder ausgetauscht, er zeigte mir u.a. ein Video einer befreundeten Mitschülerin, die zu Keyboardbegleitung in Chinesisch Hiphop singt.

Mit der Mutter waren wir am nächsten Tag in einem großen Park am Rande der Stadt, dem größten Sohn der Stadt gewidmet: Sun Yatsen, der erste Präsident Chinas, der das Land nach der Abschaffung der letzten Dynastie, der Qing, das Land regierte.

Für zwei Tage waren wir mit Qians Mutter und deren Freundin Teacher Lee in Zhaoqing. Diese Stadt, etwa zwei Stunden entfernt, liegt am Westrand des Perlflussdeltas. Es war ein Tip eines befreundeten Bogenschützen, seine Heimatstadt. Es war eine gute Idee. Die Stadt liegt an einem großen See, aus dem sieben Berginseln hervorragen, und ist von Bergen umgeben. Natürlich, mit zwei alten Damen waren wir gemächlich unterwegs. Ein kurzer Spaziergang, ein Essen zusammen, eine Bootstour am Abend auf dem See, an dessen Ende eine Fontänenlichtshow stand. Am Tag drauf ein Park am Nordufer des Sees, mit kurzer Bootstour durch zwei Höhlen. Die Berginseln
im See sind stark verkarstet.


(Tankstelle auf chinesisch: Batterie aufladen, abwarten und Tee trinken)
In der “freien” Zeit, da die beiden älteren Frauen sich ausruhten, waren Qian und ich in der Altstadt und auf der Stadtmauer aus dem 11.Jahrhundert unterwegs. Damit ist die Große Mauer von China abgehakt (haha). Die Mauer ist wirklich beeindruckend. Als sie gebaut wurde, gab es noch keine Kanonen, die kamen erst ein- oder zwei Jahrhunderte später. Man kann sich vorstellen, dass die Mauer damals ein guter Schutz war. Daneben sahen wir viele alte einstöckige Häuschen, manche etwas renoviert, aber viele weniger, manche wirklich verfallen. Erinnerte mich ein wenig an die DDR, wo die Altstädte auch verfielen, während große Neubaugebiete hochgezogen wurden.

Zurück in Zhongshan, trafen wir zwei Bekannte von Qian, eine davon ihre “Kindergartenfreundin” – so lange kennen sie sich. Schließlich, nach Abendessen mir Familie, hatten wir einen Tag in Guangzhou, vor dem Abflug nach Hause. Noch ein Abendessen mit zwei Freunden aus Qians Zeit in der Oberstufe, die wir auch letztes Jahr schon getroffen hatten – sehr nette Menschen, finde ich – und dann, nach ein paar Stunden Schlaf, Flug nach Melbourne und.. wir sind wieder zuhause.

