Nur Fliegen ist schöner.

Ach ja, das Fliegen. Vor Jahren saß ich in einem der Kaffeehäuser in der Ackland Street und blätterte durch alte Lifestyle-Magazine, in denen elegant gekleidete Menschen sich im Flugzeug lässig an Cocktailtischen lehnten. Davon ist die heutige Wirklichkeit doch etwas entfernt, und so ging es durch Sicherheit und schließlich saßen wir in Reihe und Glied im Airbus. Eine Passkontrolle war nicht nötig, sich wenn wir wohl 2500 km flogen, es ging nur Interstate, in ein anderes Bundesland, nach Cairns, in Queensland am Great Barrier Reef gelegen.
Vor zwei Wochen hatte ich einen Anruf bekommen, ich hätte ein langes Wochenende mit drei Übernachtungen in Cairns gewonnen, wo das Australische Festival für Kammermusik stattfand. Außerdem hatte ich Karten für drei Konzerte.
Das sagte mir zu, Qian ebenfalls. Wir buchten Flüge und zwei Nächte extra, so dass wir nicht nur Musik hören könnten, sondern auch noch etwas von Cairns und Umgebung sehen.
Im Flugzeug auf dem Weg nach Hause nun sitzend, denke ich, es hat sich gelohnt.
Das Musikfestival fand seit 35 Jahren statt, allerdings in Townsville, ein paar hundert Kilometer weiter südlich. Es hatte wohl einige Querelen gegeben, und die Veranstalter beschlossen, nach Cairns umzuziehen.
Wir saßen am Freitagabend im Kulturzentrum der Stadt und hörten Politiker:innen Grußworte ausrichten, genannt wurden allerlei Politiker:innen. Das erlebten wir auch am zweiten Abend.
Danach kam dann Musik. Zuerst Mozarts Kleine Nachtmusik, später noch eine kammermusikalische Behandlung populärer Melodien aus seinen Opern. Ein neues Stück, für dieses Festival in den Auftrag gegeben, Wald, Wasser, Stadt von Wu, wurde vom Komponisten eingeleitet.
Am nächsten Morgen begann das Konzert mit einem Interview einiger Musiker:innen, die an der Yehudi Menuhin Schule eine Ausbildung bekamen. Es wurde über verschiedenerlei Dinge geredet, z.B. über russische Lehrer:innen, die teilweise recht harsch waren, und die Erlebnisse eines Cellisten aus Deutschland, der als Kind und Jugendlicher mit seinem Mentor durch die Welt reiste. Die Zeiten haben sich geändert, wir sind heute mehr besorgt oder mehr kontrollierend, wie man es nimmt, sagte einer aus der Runde.
Schließlich kam es zur Musik, die vor allem Spaß machte, wie z.B. Bach, vierhändig gespielt, und eine Adaption von Debussys Claire de Lune für Gitarre und Cello. Ein unvollendetes Werk eines im Holocaust Umgebrachten wurde in einer zu Ende komponierten Version zur Aufführung gebracht.
Am Abend würden wir mit einer 60minütigen Aufführung von Mozarts Hochzeit des Figaro vergnügt. Das ging so: ein Orchester mit allerlei Blasinstrumenten spielten die Melodien, während, eine Schauspielerin, in die Rolle von Susanna schlüpfte und aus ihrer Sicht das Geschehen beschrieb. Absolut amüsant.
Aber wir waren nicht nur der Konzerte wegen dort: Z.B. fuhren wir aufs Meer hinaus, zum Great Barrier Reef. Zunächst nach Green Island, der in dieser Gegend einzigartigen Insel, eine Sandinsel, auf der Pflanzen bis hin zu Bäumen gewachsen sind. Der Name kommt von Charles Green, Navigator der Endavour, dem Schiff von James Cook. Wir waren dort aber nur, um Leute dazulassen oder aufzunehmen, es ging weiter zu einem im flachen Wasser des Reefs geankerten Pontoon. wir schnorchelten im warmen Wasser, sahen Korallen und allerlei bunte Fische, genauso wie von einem Boot mit großen Glasscheiben unter Wasser.


Ein weiterer Ausflug brachte uns in den Wald, in die Berge hinter Cairns. Die Great Dividing Range, die an Australiens Ostküste von hoch oben im Queensland bis ganz hinunter zu uns in Victoria, nahe Melbournes, geht, ist gleich hinter der Küste, hinter Cairns, zu finden.
Hinauf nach Kunanda ging es im Bus auf einer Straße, die im 2.Weltkrieg in Eile in die Berge hineingebaut wurde. Älter noch ist die Bahnlinie, die Ende des 19.Jahrhunderts entstand. Bis zu 1500 Bauarbeiter arbeiteten zeitweise daran. Wir fuhren in einem historischen Zug von Kunanda Winter hinunter.



Kunanda erinnert uns ein wenig an Olinda, in den Bergen östlich von Melbourne. Wie dieses ist Kunanda heute ein touristischer Ort, mit Cafés, Kneipen, Eisdielen und Kunstgewerbe. Wir beschlossen, für unsere Nachbarin, die in unserer Abwesenheit auf ABai aufpasst, eine schöne Keramikschüssel zu kaufen.
Da wir etwas Zeit hatten, gingen wir an den Rand eines Waldes und machten ein paar Fotos. Qian hatte Freude daran, ihre Kamera mal wieder auszuführen.

Hier ein paar farbenfrohe Bilder: Wir waren in einem Schmetterlingskäfig und einem, in dem Vögel zu finden sind.

Ich fand ein dem deutschen Arzt Edward Albert Koch (1843-1901) gewidmetes Denkmal. Im nördlichen Queensland wurden viele von Fieber geplagt, vor allem Malaria und Typhus. In den 1880ern nahm er an, dass die Verbreitung von Malaria durch Mosquitos getrieben sei, auch wenn das damals noch nicht zweifelsfrei nachgewiesen werden konnte. Er versuchte Bauarbeiter um Cairns und Farmarbeiter aus den Inseln des Südpazifik dazu zu bewegen, sich mittels den Körper bedeckender Kleidung, hinunter gekrempelten Hemden und Hosen, zu schützen, und entwickelte eine Mixtur mit Chinin und verdünnter Schwefelsäure, um gegen die Fieber vorzugehen und die Symptome zu lindern.

Ein Schild erinnerte an das Chinatown aus der Frühzeit der modernen Besiedlung Cairns, welches zunächst weniger europäisch, mehr chinesisch und südpazifisch geprägt war. Die Siedler von den Britischen Inseln haben zunächst den Norden Australiens gemieden – zu heiß, zu feucht. Schließlich, nach Gründung der Federation der australischen Bundesstaaten 1901, setzte sich eine vom Süden, aus Melbourne und Sydney getriebene White Australia-Politik durch. Chinesen hatten es schwierig, Familie aus der alten Heimat hierher zu bringen, langsam nahm die chinesische Bevölkerung ab und verschwand. Im heutigen Cairns ist von Chinatown nichts mehr zu sehen.
Langsam ändert sich aber auch das wieder. Es gibt einen Uni-Campus, im indischen Restaurant saßen Studierende von verschiedener asiatischer Herkunft, und Krankenhäuser und Arztpraxen sind ohne Personal von dort kaum vorstellbar.

Ein wenig Zeit (kurz vor dem Schließen) verbrachten wir im historischen Museum. Hier z.B. ein Fahrrad – seit 1912 betrieb Bill Eddleston einen Fahrradladen und bis zu den 1960ern waren Fahrräder das meistgenutzte Transportmittel. Von wegen zu heiß…

1906 öffnete der auf Kythera in Griechenland geborene und aus Sydney nach Cairns übersiedelnde George Cominos ein dreistöckiges Cafe/Restaurant, mit Abteilungen für Bäckerei und Konditorei für Mahlzeiten und “milk bar”, was im deutschen vielleicht einem Tante-Emma-Laden entspricht.Ebenfalls im Hause: ein öffentliches Telefon und ein Paketdienst.

Der Besuch der öffentlichen Galerie hat sich gelohnt. Eine Ausstellung von Gemälden kreiert bei Frauen aus dem Norden, von Cape York und dem Golf von Carpentaria an der nördlichen Spitze von Queensland. Ich fand viele der Ausstellungsstücke dieser Frauen beeindruckend.
Hier einige der Gemälde von Mirdingkingathi Juwarnda Sally Gabori, Naomi Hobson, Samantha Hobson, Janet Koongotema, Birrmuyingathi Maali Netta Loogatha, Thundiyingathi Bijarrp May Moodoonuthi, Rosela Namok und Mavis Ngallametta.



Ansonsten haben wir das milde Winterwetter von Cairns, 20 Grad und mehr, Spaziergänge am Meer, in dem man leider nicht baden kann, der Krokodile wegen, und gutes Essen genossen.


Bye bye Cairns. See you later alligator!
































































































