Malaysia Teil V – Langkawi, die Urlaubsinsel, und letzte Eindrücke von KL, Kuala Lumpur

Langkawi – eine Urlaubsinsel

Langkawi, wohin uns dann eine Fähre brachte, ist eine “touristische” Insel im Norden Malaysias, nicht sehr weit der Grenze nach Thailand. Ein paar Tage weniger auf Erkundung, sondern eher zum Ausruhen. Wir hatten eine kleine Hütte in einem Resort, welches ein wenig älter zu sein schien, Warm war es, ziemlich warm. Und nachts goss es ganz ordentlich, eine Nacht donnerte es auch bedrohlich nah. Vor unserem Häuschen hörten wir aufgeregte Nachbarn, ich fragte mich auch, ob das “normal” sei. Ein Taxifahrer meinte später: Ja, nicht ungewöhnlich. Wir gingen durch die Dünen an den Strand ins Wasser und erkundeten die Gastronomie. Am ersten Abend war es ein westlicher Pub, in dem auch Australian Rules Football gezeigt wurde, an an einem anderen Abend fand ich ein japanisches Gasthaus, umgeben von dichtem Wald, in dessen Zweigen Äffchen tobten, ein algerisches Restaurant, der Koch aus Algerien hatte nach Langkawi eingeheiratet, und schließlich ein kleines Resort mit Restaurant, geführt von einer Frau, die aus Kuala Lumpur stammt, aber nach Langkawi ging, um dem Trubel der Großstadt zu entgehen. Als schließlich Covid auch hier “eintraf”, nahm Karina Robles Bahrin sich die Zeit, ein Buch zu schreiben.

“The Accidental Malay” fängt ein wenig an wie “Crazy Rich Asians”, mit dem Gang an die Börse. Dann wird es ein wenig komplizierter, da in Malaysia die
Religionszugehörigkeit eine große Rolle spielt. Im Lande werden muslimische Malais bevorzugt, einige Wege stehen nur ihnen, nicht aber z.B. den vielen Chines:innen offen. Und: wer Malai ist, ist nicht etwa der freien Wahl überlassen. Wenn der Vater Malai ist, ist man auch, egal ob man will oder nicht. Die Familiengeschichte der Protagonistin hat einige Überraschungen zu bieten, und auch in ihrem Liebesleben geht einiges drunter und drüber..

Mir hat das Buch gefallen.

Die Autorin meinte im Gespräch mit uns, dass die Regeln in Malaysia durchaus “elastisch” seien. So gibt es junge Musliminnen, die in ihrem Ort eine Kopfbedeckung tragen, sie aber in der Stadt ablegen würden. Sie selbst ist Muslimin, mit einer chinesischen Großmutter, und trug auch kein Kopftuch.

Wir unternahmen doch noch ein wenig, waren in einem Aquarium, in dem es Hais und Pinguine und mehr gab, und paddelten in einem Kanu in einem Mangrovenwald und sahen Fledermäuse in einer Höhle.

KL zum Zweiten

Schließlich ging es wieder zurück aufs Festland und zurück nach Kuala Lumpur. Qian hatte genug von Ausflügen und ich machte mich allein auf zu den Batu Caves. Am Ende des 19.Jahrhunderts etablierten Hindus einen Tempelkomplex hier. Der bedeutendste ist mit einer 43m hohen Statue von Murugan, dem Gott der Kriege, dekoriert. Hinauf ging es zu einer Höhle, 281 Stufen hoch, 270 Stufen runter. Nun, es werden beide Male die gleiche Anzahl Stufen sein, ich konnte nur nicht zählen..

(Das Kachelmuster erinnerte mich an Umschläge für Schulhefte…)

Am Abend, als wir zum und nach dem Abendessen durch Strassen von KL nahe des Hotels schlenderten, Mangos, Bananen und Mangostane kauften, (keine Duryans, die so sehr riechen, dass sie an vielen Orten nicht erlaubt sind.. das weiße Fleisch schmeckt.. okay, würde ich sagen) schaute ich mir noch ein paar Minuten eine Band an, die auf der Straße spielte. Nicht übel, fand ich.

 

Malaysia – Teil IV: Alor Setar – eine Stadt der Muslime

Von der Fähre gingen wir zum Bahnhof und bestiegen den Zug nach Alor Setar, eine Stadt in der “Reisschüssel” des Landes. Hier gibt es zwar auch ein Chinatown, aber die meisten hier sind malaiische Muslime.

übrigens ist das “e” in Setar stumm. Gesprochen ist der Name der Stadt denn Alor Star.

Der Bahnhof war schon spannend. Er war etwas außerhalb der Innenstadt, man hatte das Gefühl, in Parkentin ausgestiegen zu sein (ein kleiner Ort nahe Rostock, für Nichteingeweihte 😉 Es sah sehr dörflich aus. Das Hotel war nicht ganz so zentral wie versprochen. Voralle mussten wir eine große “Autobahnauffahrt” überqueren. Der erste Anwohner, den wir befragten, meinte “Nimm ein Taxi”, der zweite riet zum Mut zur Lücke – erspähe sie und dann nichts wie durch. Was wir machten. Später, ohne Gepäck, noch öfter, man gewöhnt sich dran. Wir benutzten in Alor Setar häufiger Grab, die lokale Variante von Über. Es ist recht warm, und die Stadt ist nicht fußgängerfreundlich. Im Hotel hatten wir ein wenig Scherereien: Das erste Zimmer schaltete nach ein paar Minuten den Strom ab. Wir bekamen ein anderes, leider vergaß man, die Eintrittskarte ordentlich zu programmieren. Am zweiten Abend ging sie nicht mehr und der Sicherheitsdienst konnte uns auch nicht helfen. Nach ein paar Minuten kam eine Angestellte, die wusste, wie man mit dem Notschlüssel umgeht. Ende gut, alles gut. Alle waren freundlich, das half.
Nahe des Hotels gab es einen buddhistischen Tempel mit leichtem “Thai-Einschlag”. Hier ein Eindruck davon. Leider konnte ich nicht hinein, ich war neugierig. Immer, wenn wir vorbei kamen, schien alles abgeschlossen zu sein.

Am ersten Tag sind wir zunächst zum Fährort Kuala Kedah gefahren, um Tickets für die spätrer geplante Überfahrt nach Langkawi zu besorgen. Von der Lage vielleicht das Warnemünde Alor Setars, aber nicht unbedingt vom Gefühl. Es war doch alles etwas einfach. Wir wanderten auch zur See hinaus. Das Wasser war flach, einzelne Pflanzen auch im Wasser, ein paar Felssteine befestigten das Ufer, es lag allerlei Müll herum, Plastikflaschen und ähnliches. An einem Stand verkauften Fischer den Fang des Morgens, kleinere Fische und Muscheln. Am Wasser lagen einfache Holzboote.

Da die Umgebung von Alor Setar vor allem Reis anbaut, gibt es auch ein Reismuseum etwas außerhalb der Stadt. Auf der Fahrt berichtete der Fahrer, dass es zwei Monate nicht geregnet hat. Die Bauern begrüßen den abendlichen Regen, der mit Gewitter alle drei Abende unserer Zeit hier auf Stadt und Umgebung nieder ging. Er war “halb in Rente”, wie er sagte, um sich um seine drei Kinder, zwei Töchter und einen Sohn, zu kümmern. Die älteste, 18 Jahre alt, hatte am nächsten Tag Aufnahmeprüfung für die Uni. Wie ihre Mutter möchte sie Lehrerin werden, wie ihre Mutter hat sie Gebärdensprache gelernt, um Gehörlose zu lehren. Wir wünschten alles Gute.

Das Museum war wirklich toll. Oben gab es ein Diorama, welches die Umgebung zeigte, mit Reisbauern, Familenfeiern, Schafshirten, Kinder beim Drachensteigen und mehr. Geschaffen von zwei Koreanern, war es sehr lebendig. Man konnte kaum feststellen, wo der 3D-Vordergrund ins 2D-Gemalte überging. Weiter unten konnte man allerlei Gerät sehen. Auch gab es einen Platz, in dem erklärt wurde, wie Reis durch radioaktive Gammastrahlen mutiert werden, einen anderen, in dem über die Geschichte des Kanalbauens zur Bewässerung berichtet wurde.

Dies ist echt – oben sind Dioramen:

Am nächsten Tag besuchten wir die große Moschee im Zentrum der Stadt, Masjid Zahir. Wie bekamen eine kleine Führung. Die Frau war sehr stolz auf die Moschee, nannte sie die viertschönste der Welt, nach Mekka, Medina und .. vergessen. Schön war sie wirklich. Sie ist nicht alt, sie wurde von 1912-1915 erbaut (und zweimal erweitert). Die schweren Holztüren des ältesten Teils stammen aus China.

Eine Ausstellung lokaler Künstler lief uns eher zufällig über den Weg, hier ein paar Eindrücke. Mir hat es gefallen.

Nebenan wurde in Gesellschaft gegessen. Die Künstler?

Mit dem Essen taten wir uns hier etwas schwerer, wir konnten nicht so viel finden, was uns zusagte. Wir wollten vor allem Malaigerichte essen. Wir waren aber auch etwas “außerirdisch” hier, falsche Zeit, falscher Ort, vielleicht. Ein Highlight war definitiv ein arabisches Essen, wie man uns sagte, nach syrischer Art. Das Restaurant war auch hübsch, kann man dazu sagen. Wir saßen etwas “erhoben” auf bezogenen Bänken, der Tisch war in Kniehöhe. Etwas ungewohnt und beschwerlich zunächst, aber nach einer Weile hatte ich das vergessen.

Hier noch ein paar unkommentierte Eindrücke von der Stadt. Das Leben war etwas gemächlicher, wir haben es aber nicht bereut, uns hier für ein paar Tage aufgehalten zu haben.

  

 

Malaysia – Teil 3: Penang – Georgtown – Chinesisch und indisch in Malaysia

.. Fortsetzung folgt.. Dies liegt nun schon eine Weile rum und wartet darauf, das Licht der Welt zu erblicken. Hier kommen sie also – die letzten Teile unserer Asientour.

Die Fahrt von KL(Kuala Lumpur) bis George Town war lang. Wir hatten es nicht geschafft, den Zug zu buchen, und der Bus war lange im Stau unterwegs. Schließlich gelangten wir nach Butterworth und nahmen die Fähre nach George Town, welches auf der Penang-Insel liegt. Penang ist auch der Name des Bundesstaates, mit Butterworth und Umgebung auf dem Festland, und oft wird Penang als Synonym für George Town genannt. Letzteres war die erste Besitzung der Briten in Südostasien, und hat z.B. das Eastern & Oriental Hotel, in dem wir zum Abschluß unserer Tage zu Abend aßen. Das Essen war okay, der Blick über das Wetter zu Sonnenuntergang bezaubernd.

 

In Penang wohnten wir im Hochhaus. Am ersten Morgen erkundete ich Diskworld: Eine Schallplatte als Uhr und draußen im Park ein runder Platz, auf dem zu Musik, die nach Bollywood klang, getanzt wurde.

Die Briten brachten vor allem chinesische und indische Arbeitskräfte nach George Town. Am ersten morgen liefen wir etwas “planlos” in die Stadt und kamen zufällig durch Little India, wo man indisch essen und Saris kaufen kann.

Berühmt ist George Town aber vorallem wegen der Mischung von chinesischer und malaiischer Kultur, den Baba & Nyonya, die wir schon in Malakka erlebt hatten. Unter anderem sahen wir das in einem Teehaus, welches in einem dieser Wohnhäuser eingerichtet worden war. Gutes chinesisches Essen, Yum Cha, und Tee natürlich gehörten zum Angebot. Wir hätten Tee aus den 1970ern oder 80ern trinken können, für bis zu $500, haben uns denn aber doch für welchen für $20 entschieden. Eher unsere Schuhgröße.

Dort, wo die Fähre ankommt, am Wasser gegenüber Butterworth, haben arme chinesische Einwander:innen auf Stelzen gebaut. wir sind eine ruhigere Jetty entlang gelaufen, hier wohnten noch Leute, parkten ihre Motorräder vor dem Haus etc, aus einer anderen war inzwischen ein Touristenweg geworden, mit viel Nippes zu kaufen.

Etwas weiter “zur Linken” war das Ufer mit dem Fort der britischen Kolonialherren und repräsentativen Kolonialbauten. Hier sahen wir alle Kulturen, junge Frauen chinesischer Abkunft, malaiische Muslimfamilien, Inder, angelnd, picknickend, sich fotografierend.

Hier noch ein paar weitere Bilder von unseren Streifzügen durch Georgetown:

Einen Tag sind wir auf den Penang Hill, einen gut 800 Meter hohen Berghügel gefahren. Etwas außerhalb der Stadt, zunächst mit Bus, dann mit Bergbahn. Oben war es kühler. Da die meisten an der Bahnstation bleiben, an Kiosken, Restaurants und Aussichtsplattformen, hatten wir die Wanderwege fast für uns. Schön, das war genau das Richtige für mich. So sah ich mein erstes Äffchen in freier Wildbahn, das Foto ist aber recht durchschnittlich, Marke “Beweisfoto”. Bushwalking in Malaysia, mit hohen Bäumen und Blumen, hat uns Spaß gemacht.

Schließlich und endlich war es Zeit, uns von George Town zu verabschieden – mit der Fähre. Der Schachspieler war noch tief im Denken versunken, während andere schon zum Aussteigen Schlange standen. Auf der Fähre waren Fußgänger:innen. Motor- und auch ein paar Fahrradfahrende.

 

Woche zwei in Malaysia – von Malakka über Kuala Lumpur nach George Town

Es ist Montag. Und da hat Qian ein wenig zu arbeiten – sie sorgt dafür, dass andere en Gehalt bekommen, und ich nutze die Zeit, um ein wenig rumzudaddeln und dies hier zu schreiben. Ich gucke aus dem Fenster, 26. Stock, und versuche mich an die letzte Woche zu erinnern. Also, wo war ich stehengeblieben? Ach ja, Malakka. Zurück zum Text.

Am letzten Tag in Malakka waren wir in einem Museum in Malakka, welches Zheng He gewidmet ist, einem chinesischen Admiral, der zu Zeiten der Ming-Dynastie, im frühen 15.Jahrhundert, mit bis zu 28 000 Mann in und über den Indischen Ozean fuhr. Das größte Schiff war vierstöckig und 110x45m gross, ein Fußballfeld ausfüllend. Dazu dutzende Versorgungsschiffe mit Wasser und Reis etc.

Zheng He war ein Muslim aus Yunnan unter dem Namen Ma He, welcher als Kind gefangen genommen und als Eunuch versklavt wurde. Das Museum geht ein wenig ins Detail einer Kastrierung, die nicht nur schmerzvoll, sondern auch lebensgefährlich war. Viele sind dabei gestorben. In seiner Jugend war er Soldat. Er zeichnete sich als solcher aus und spielte auch eine Rolle in Kämpfen um die Thronfolge der chinsischen Kaiser. In den Diensten von Zhu Di, welcher als Yongle Kaiser 1402 den Thron bestieg, wurde ihm 1404 der Name Zheng He verliehen. In den nächsten dreißig Jahren war Zheng He mit seinen Flotten auf sieben Reisen. Während dieser lief er oft Malakka, von China gesehen Eingangshafen auf dem Weg zum Indischen Ozean, an.

(Fotos: Zheng He und die Flotte, als Kind mit seiner Lieblingsschwester, eine Statue einer jungen Frau – hübsch, aber keine Ahnung, warum sie in der Ausstellung war, und ein Reisdrescher – ein wenig die zu Zheng Hes Zeiten vorherrschende Maschinerie andeutend).

 

In Malakka hatte ich am Ende so was wie ein Lieblingscafe, welches Kaffee aus allen 13 Staaten Malaysias anbot. Neben Arabica und Robusta, letzteres in Südostasien weitverbreitet, wird in Malaysia auch Liberica angebaut. Ursprünglich aus Westafrika stammend, wurde diese Kaffeesorte zunächst auch in den Philippinen angebaut. Im 19.Jahrhundert brachte ein britischer Landbesitzer diese Sorte nach Malaysia, da sie sich für die dortigen und oft überschwemmten Böden besser eignete.

(Nicht aus diesem Cafe – dieses Foto zeigt mich bei einem anderen guten Essen in Malakka)

Wie beendeten den letzten Tag in Malakka mit einer Bergbesteigung und eine Bootstour, Auf dem Berggipfel ist eine Kirchenruine, die unter den Portugiesen gebaut wurde. Später haben die Niederländer den Ort als Begräbnisstädte benutzt. Ich habe versucht, die Inschriften direkt zu lesen, mein rudimentären Kenntnisse in Plattdeutsch zur Hilfe nehmend.

(Zu den Fotos: Das erste eine noch benutzte Kirche unterhalb der Ruine, Betriebsausflug, die letzte Grabtafel lässt eine Familientragödie erahnen, eine damals tödliche ansteckende Krankheit?)

   

Die Bootstour auf dem Fluss, am Abend und mit ein bisschen Wind, war erfrischend.

  

Schließlich war es Zeit für die Busfahrt nach Kuala Lumpur. Hier wollten wir ein wenig verschnaufen, bevor es weiter nach Pedang, nach Georgetown ging. Im Kings Valley, dem Ballungsraum mit der Bundeshauptstadt Kuala Lumpur, leben mehr als 10 Millionen Menschen. Ein Moloch, welcher nicht unbedingt fußgängerfreundlich ist. Fußwege beginnen und enden plötzlich, sind buckelig, haben Stufen zwischen zwei Häusern etc – für Leute mit Rollstuhl oder Kinderwagen ein Graus, würde ich sagen. Die Stadt ist autobeherrscht, auch wenn es, oft auf Stelzen, Stadtbahnen gibt. Es war 1.Mai, langes Wochenende, und viel los. U.a. DJs, die lautstark eine Einkaufsmeile beschalten. “Are you ready?” Nun, vor allem Qian nicht wirklich. Wir “verzogen” uns in die Pavillion Mall, ein Einkaufszentrum mit allerlei noblen, teuren Marken, und hatten ein sehr gutes Essen und wohlschmeckendem Pu’er-Tee. Zum Abschluss gab es an einem Cafe Creme Brulee.

Ganz anders war das Abendessen auf einem Nachtmarkt einen Tag später. Ein Schauspiel, zu dem der “Falling in Love”-Sänger genauso dazu gehört wie der ältere Angestellte, der mit uns Fotos machte und uns unterhielt. Das Bier war im Longneck, 640 ml, kleiner hatten sie’s nicht, und Qian hat u.a. Frosch bestellt. Für sie das erste Mal seit zwanzig Jahren, ich habe das sicher auch lange nicht mehr gemacht – schmeckt übrigens ganz gut.

Wir wohnten in einem der vielen Hochhäuser. Unseres hatte ein Schwimmbad hoch oben, leider wegen Renovierung geschlossen. Daher nur zum Fotografieren oben gewesen. Es ist schon verrückt, was man so mit Stahl & Beton machen kann – schließlich wiegen die Wassermassen ja auch..

Hier in George Town im 36.Stock ist das Schwimmbad offen – und da geh ich jetzt hin… sehr schön! Wo gestern, am Sonntag. viele Familien planschten, war ich heute Mittag ganz allein und konnte mit Blick über die Stadt, das Wasser und die Berge ein paar Bahnen ungestört schwimmen, teils auf dem Rücken in den Himmel schauend, der etwas wolkenverhängt war.

Ankunft in Malaysia – Malakka

Unsere Tage in Malaysia beginnen in Malakka. In Singapur (ich komme drauf zurück) fanden wir den Bus, der uns nach dort brachte. An der Grenze performantes Sicherheitstheater. Auf der Ausreiseseite aussteigen, Pass scannen, rein in den Bus. Über die Brücke nach Malaysia, aussteigen, Gepäck mitnehmen, Pass scannen, Gepäck durch einen Scanner rolen lassen, und zurück in den Bus.

Die Passkontrolle ist das Kronjuwel der Krönung der Schöpfung.

In Malakka besuchten wir einen Nachbau eines Sultanspalastes, welches als Museum dient. Malakka ist eine Mischung aus allem, dank seiner vielfältigen Geschichte. Besonders viel los war hier in der Zeit, als Zheng He für die chinesische Ming-Dynastie in der ersten Hälfte des 15. Jahrhunderts hierher reiste. Zheng He, der als Admiral im Auftrage des chinesischen Kaisers in den Indischen Ozean reiste und half, ein Seehandelsnetzwerk zu etablieren, welches bis an die Ostküste Afrikas reichte, war Muslim, sein Name wurde ihm erst später vom Kaiser “verpasst”. In Malakka trafen sich Händler aus China, aus Java, aus Indien, aus Arabien etc. Dem Museum nach war Malakka für diese Seefahrer attraktiv, da sie in der Stadt gut behandelt wurden. Das sprach sich herum.

In dieser Zeit etablierten sich chinesische Geschäftsleute, die sich mit einheimischen Frauen, Malay, verheirateten. Sie und ihre Nachfahren etablierten die Kultur der Baba & Nyonya, die chinesische Traditionen bewahrte, während sie sich den Gegebenheiten der Zeiten anpasste. Wir sahen davon etwas in einem Museum, welches Ende des 19.Jahrhundert gebaut wurde und sich in Familienbesitz befindet. Dieses Haus zeigt, wie eine solche Familie im frühen 20.Jahrhundert lebte. Der westliche, vor allem den damaligen englischen Kolonialherren geschuldete Einfluss ist ebenso spürbar. Möbelstücke erinnern mich an die meiner Großmutter, nur etwas nobler.
Rasenbowling und Tennis gehörte zu den Freizeitbeschäftigungen der Herren, ebenso Nachmittage im Club. Wir probierten einen (in Malakka erschwinglichen) High Tea in einem Hotel aus. Als Essen nicht wirklich so toll – es waren ja ursprünglich einfach Snacks, die gereicht wurden, während man sich des Nachmittags amüsierte. Ich gehöre zumindest nicht zu denen, die ein Sandwich mit Thunfisch für ein Highlight halten 😉 Die Scones mit Marmelade waren schon eher mein Geschmack. Curry Puffs brachten einen lokalen Geschmack dazu.

Einen Nachmittag waren wir unterwegs zu einem “Seeblick” mit Moschee am Wasser. Da wir dort hinwanderten, sahen wir zunächst etwas anderes: Unfertige Wohnhäuser. Das “Melaka Gateway” war ein Investitionsprojekt mit chinesischem Geld aus der Hochzeit des Immobilienrausches. Ein wenig wird dort gewohnt, aber vieles steht leer. Hier wurde am Bedarf vorbeigebaut – Malakka ist heute nicht das Epizentrum der malaysischen Ökonomie. Qian konnte mit nackten Armen nicht einfach in die Moschee, es gab
aber “moscheetaugliche” Kostüme auszuleihen. Es regnete ein wenig. Ich lernte an einer Tafel ein wenig über den Islam. Ich lass das jetzt mal aus, um nicht religiösen Unmut durch meine Unwissenheit zu entfachen 😉 Im allgemeinen sieht Malakka bunt aus, religiös gesehen, es gibt Tempel, Moscheen und Kirchen aller Art.

Von der Moschee ging es zum “Portugiesischen Viertel” etwas außerhalb. Das “portugiesische Meeresessen” war.. nicht sehr portugiesisch, denke ich. Den Frauen hingegen waren teilweise Vorfahren von der Iberischen Halbinsel anzusehen.

Die Portugiesen waren sehr an der Stadt und vor allem dessen Handel interessiert, daher nahmen sie sie ein. Allerdings zerschnitten sie die Handelsrouten, der Handel wanderte ab, Malakka verlor an Bedeutung. Die Portugiesen brachten u.a. die katholische Kirche hierher, Francis Xavier, einer der Gründer des Jesuitenordens, war in Malakka als Missionar tätig. Es gibt eine ihm gewidmete Kirche, die aber wesentlich jünger ist. Sie ist aus dem 19.Jahrhundert.

Nach den Portugiesen und vor den Engländern waren die Niederländer hier, zunächst in Gestalt der Ostindien-Handelsgesellschaft. Es gibt ein Stadthuys und eine Promenade, die mich Rostocker ein wenig an Warnemünde erinnerte.

Hier “ein paar” Bilder:

Im Baba & Nyonya Heritage Museum:

Qian und die Treppe zum 2. Stock, ein Ruhestuhl, “so einen Sekretär hätte ich auch gern”, Schrein für die Vorfahren, Musik – Ost und West.

Hochzeitsimpressionen, Brautpaar und Bett.

Die Küche: Eismachen – Eis kaufen, Kondensmilch, eine halbe Stunde rotieren, fertig ist das Speiseeis! (Sagt das Schild). Eine Eisbox, der Kühlschrank der Vergangenheit. Küche mit Holzfeuer und der Platz daneben – Sone von oben, der “gute Tisch” fürs Essen – die Küche ist daneben.

Ein wenig Strassenleben:

Ein Hitchcock-Remake?

Typische Häuserzeilen in der Altstadt.

 

Moscheen, Tempel und Kirchen.

Ein wenig portugiesisch gefällig? A Formosa, von der alten Festung übriggebliebenes Tor, und ein Nachbau eines portugiesischen Schiffes. Im Vordergrund eine quietschbunte Fahrradrikshaw, die mit Muskelkraft und Popmusik betrieben wird.

The Nest, das Hotel, in dem wir wohnen.

Ich fand es interessant, wie am Eingang eines Einkaufszentrums die Rampe in die Treppe integriert wurde.

Drinnen: Wettbewerb im “Stacking”. Hunderte vom Kindern stapeln in Windeseile Becher um.

Last not least für heute: Das Stadtmuseum in der Replika eines Sultanpalastes.

Auf Reisen – Etwas Zeit für Rückschau, während wir im Flugzeug sitzen

Unsere Reise begann am Tage Null, an dem Sarah unser Haus übernahm, während wir des Abends ins Hotel nebenan gingen. So konnte Sarah sich heimisch machen mit “Übergabe”. Sarah wird Haus und Hof, genauer gesagt Heim und Katze hüten, während wir unterwegs sind.

Das erste “Opfer” war ein Buch, welches ich im Hotel vergaß. Sarah kann das Buch aber abholen, während ich mit der Kopie, die ich aufs Kindle lud, vorlieb nehmen muss. Es ist über die Geschichte der Kolonisierung des Nordens von Australien, von Henry Reynolds geschrieben. Die dauerhafte Inbesitznahme und Besiedlung als Teil des britischen Imperiums begann im Süden wesentlich eher als im Norden, wo für lange Zeit noch bis zur Mitte des 19.Jahrhunderts und darüber hinaus die Ureinwohner:innen relativ ungestört leben konnten.

Der Flughafen ist halt Flughafen und Flugzeug ist Flugzeug. Etwas Kopfschmerzen helfen nicht gerade. Ich hasse besonders weichgespülte Säuselmusik. Nach ein paar Stunden würde ich mir Death Metal wünschen.

Die Woche davor war extra-stressig. Speziell am Sonntag ging mir etwas daneben. Ich sage nur NFS, das Nightmare Filesystem. Statt einer halben Stunde habe ich fast acht Stunden gearbeitet.

Das Flugzeug gibt mir einige Zeit, acht Stunden nach Singapur, nach füng Stunden erreichen wir demnächst die Nordküste des Kontinents, danach kommt indonesische Inseln, gibt mir etwas Zeit zur Rückschau auf die Tage zuvor. Etwa zu Ostern habe ich das letzte Mal im Meer gebadet. Das Wasser hatte noch 18 Grad, die Luft war in den Zwanzigern. Ich bin mir sicher, dass die Bucht nicht mehr sehr einladend ist, wenn wir wiederkommen. Dann bleibt nur die Schwimmhalle.

Zu Karfreitag waren wir zum Spaßschießen bei den Bogenschützen, eine Benefizveranstaltung um Geld fürs Royal Children Hospital, das Kinderkrankenhaus, zu sammeln. Erst nach der Passe wurde bekannt, was denn gewertet wird, z.B. nur Schüsse aufs links-obere Viertel oder rückwärts, 1 wird 10 und 10 wird 1 – sehr zufällig, so dass jeder gewinnen konnte. Auch konnte man den Schiedsrichter bestechen, sich Punkte ergaunern oder jemand anders “bestrafen”, mit weiterer Entfernung oder kleinerer Scheibe. Auch konnte man sich verkleiden, was wir dann auch taten 🙂


Am Mittwoch gehe ich abens zum Schachspielen in Fitzroy. Auf der Brunswick Street tobt das abendliche Leben und ich habe es mir zur Angewohnheit gemacht, am Ende noch bei der Old Plates Record Bar vorbeizuschauen. Dort spielt jeden Mittwoch Afrospace Interchange, eine Jazzband mit südafrikanschen Wurzeln. Sie haben u.a. auch ein Konzert mit Liedern von Miriam Makeba veranstaltet – nur um in etwa die Rchtung ihrer Musik anzudeuten. Mir macht es Spaß, und offensichtlich nicht nur mir. Der Laden ist voll.

Vor dem Urlaub schaffte ich es noch, unsere Armbanduhren reparieren zu lassen. Dazu ging ich ins Century Building an der Swanston Street. Das Gebäude war ursprünglich für 1935 geplant, es dauerte aber etwas länger und wurde erst 1940 eingeweiht. Wie auch das etwas ältere Manchester Unity Building um die Ecke war es von Markus Barlow entworfen worden. Das Manchester Unity Building war das erste nach der Depression gebaute Hochhaus.

Drei Wochen China – Woche drei in der Guangdong-Provinz

Mit den Schnellzug auf dem Weg nach Süden, in die Guangdong (Kanton) Provinz. Südwestlich von Wuhan verlassen wir den Flusslauf und das Tal, welches der Yangtze in das Land gegraben hat.

Übrigens: Während wir im Westen zumeist vom Yangtse als Ganzes reden, ist lokal der Name dem unteren Teil des Flusslaufes von Nanjing vorbehalten. Im ganzen heißt der Fluss in Chang Jiang, langer Fluss.

Über weitere Strecken waren Bergketten zu sehen, in verschobenen Formationen, wie Scherenschnitte hintereinander gelegt. Dörfer und Kleinstädte auf dem Weg, ein Wechsel des Anblicks nach Tagen in einer vertikalen Stadt mit 20, 30 oder mehr Stockwerken überall. Viel Wasser, viele Teiche, viel Grün.

Bei Tempo 300 ging es durch einige Tunnel.  Die Berge sehen definitiv anders aus, als ich sie aus Europa kenne. Aus Australien sowieso. Ich habe von der Geologie dieser Gegend keine Ahnung, da möchte ich gern ein wenig lernen. Viel Wald, oft Aufforstung, Bäume im Spalier, scheint mir.

Ich war übrigens so exotisch in Wuhan, dass mich zweimal Teenager fragten, ob sie mich fotografieren dürften. Weit und breit kein einziger Mensch westlichen Ursprungs zu sehen.

Schließlich “Ling nan”, “südlich der Berge”. Es wird flach. Zunächst die Außenbezirke von Guangzhou, der Hauptstadt der Provinz. Es gibt wieder viel mehr Stadt, Hochhäuser, Strommasten, Fabriken etc. Kurz danach kommt unser Ziel, Zhongshan, und dort Familie, Qians Mutter, ihr Bruder, Schwägerin, Nichten und Neffen.

Von letzteren haben wir nicht viel gesehen: Teenager kurz vor den Abschlussexamen. Hier, wie Kids abends um halb zehn von der Schule abgeholt werden:

Zhongshan ist mit ca. 4,5 Millionen eine eher kleine Stadt im Perlflussdelta, eine Gegend, die in etwa die Einwohnerzahl von ganz Deutschland hat.. Sie wurde zu Ehren von Sun Yat-Sen, dem Gründer der Republik , die 1911/12 die Qing-Dynastie ablöste, benannt. Hier ist er unter dem adoptierten Namen Zhongshan bekannt. Er wurde in einem inzwischen eingemeindeten Dorf geboren.

Es gibt übrigens so ziemlich in jeder Stadt auch eine Zhongshan Road.

Zhongshan hat bedeutende Industrie, wie z.B.  Möbelproduktion. Es gibt eine Straße mit etlichen Geschäften, oft teure Möbel ausstellend. Dort waren wir letztes Jahr. Dieses Jahr ging es nach Guzhen, die Stadt des Lichts. 60 Prozent der Beleuchtung Chinas wird hier produziert und etliches auch exportiert. Wir liefen durch ein 11stöckiges Gebäude, in dem etliche Hersteller ihre Produkte ausstellen, von Kronleuchtern in Räumen, die wie Dekorationen aus Versailles aussehen, für tausende Dollars oft von Kunden aus Pakistan oder Indien gekauft, bis hin zu minimalistischem modernen Design. Hier ein paar Eindrücke.

                   

Qians Mutter und ihre Freundin Teacher Lee ruhten sich ein wenig aus, während wir durch das Gebäude streiften, dann ging es zu Essen im obersten Geschoss.  Dort war es nach meinem Geschmack etwas zu laut, u.a. wurde dort eine Verlosung durchgeführt. Man möchte Kund:innen anlocken und die Lotterie tut das, nehmen zumindest die Betreiber an.

An einem anderen Tag gingen wir in das Museum von Zhongshan. Davor war der Dirty Pub, eine Musikvenue für jüngere Menschen, nehme ich an, nachdem ich die Poster gesehen hatte. Am späten Vormittag war natürlich nichts los, ich sah lediglich eine junge Motorradfahrerin, die dort halt machte.

Im Museum geht es um die Geschichte der Stadt, die früher Xiangshan hiess.. Vor langer Zeit war es eine Ansammlung von von Inseln, die über Jahrhunderte, seit der Ming-Dynastie, durch Landgewinnung zusammen wuchsen. Eine Art Niederlande in China.

Das Museum erlaubte Eindrücke vom Leben in der Stadt, die zunächst ein militärischer Standort war, von dem Leben am Wasser, vom Fischen, vom Reisanbau, von den einflussreichen Familienclans, die Hallen bauten um ihre Vorfahren zu ehren und mehr.

 

Außerdem zeigte es Funde aus der Vorgeschichte, bis in die Steinzeit zurück. Schon damals war diese Gegend besiedelt.

Hier noch ein paar Ausstellungsstücke, die mich an unser heutiges Zuhause erinnern, die Vorfahren unserer Möbel zuhause, Geld und einfach schöne Dinge aus der Vergangenheit.

Ein weiterer Ausflug mit Qians Familie brachte uns zu dem Haus, in dem einst Sun Yatsen lebte.

Darum herum wurde Leben in der damaligen Zeit illustriert.

Wie beendeten den Tag mit einer Tour nach Zhuhai, einer modernen Nachbarstadt. Wir gingen dort am Ufer spazieren.

Wir verbrachten auch zwei Tage in Shenzhen, ein ehemaliges Fischerdorf.

Ende der 70er gehörte es zu den ersten vier Sonderwirtschaftszonen, in der die Regierung unter Deng Ziaoping hoffte, moderne Industrie anzusiedeln. Neben Hongkong und Macao gelegen, wurde es zunächst die Werkbank des Westens, Elektronik produzierend, bis später hier sich die eigene Industrie entwickelte, mit innovativen Firmen wie Huawei z.B. Heute ist Shenzhen eine Stadt mit mehr als 10 Millionen Menschen. U.a. wohnt eine langjährige Freundin aus Kindheitstagen dort, die uns mit ihrem Partner begleitete.

 

Außerdem wohnen einige von Qians Mitstudent:innen dort. Wir aßen mit ihnen und spazierten am Wasser entlang, leckten Eis und.. nun, vom Erzählen habe ich naturgemäß nicht viel mitbekommen.

Was im Großen und Ganzen etwas problematisch ist. mit Qians Bruder habe ich ein wenig über Handyübersetzung “geredet”, es ist aber doch etwas beschwerlich. Wir waren auch bei ihm und seiner Familie zuhause, gingen Abends noch spazieren, waren ebenfalls bei seinem Sohn, der schon Familie hat – beide arbeiten in einer Schule, in der Kinder malen lernen können, und haben eine kleine Tochter.

Da ich hier nun nicht zum ersten Mal war, fühlte ich mich in Zhongshan schon etwas zuhause.

Hier ein paar weitere Eindrücke: Die Wohngegend um Qians Bruders und seiner Familie zuhause,ein Spaziergang am Teich und Essen, gekocht von seiner Frau,

 

eine typische Straße in Zhongshan, der Innenhof, wo Qians Neffe mit Familie lebt,

Frisches Seegetier in einem Restaurant,

Ausblick von unserem Hotel, eine neu eröffnete Gastsstätte, Mutter und Tochter im Gespräch, frische Krabben, Musik als Werbung, ein BMW (ja, den gibt es auch elektrisch, und, nebenbei, etwa die Hälfte aller Autos, die wir sahen, waren E-Autos, und die meisten Mopeds auch, Busse sowieso),

Parkausflug in Guzhen,

 

Longnan, Penjing (Bonsai auf chinesisch), interessantes Gestein und anderes im Park..

   

vieles davon war Qians Familie, vorallem ihrem Bruder, zu verdanken.

Schließlich aber war es Zeit, wieder in mein “richtiges Zuhause”, nach Melbourne, zurückzukehren. Auf Wiedersehen, China!

Drei Wochen China – Woche zwei in Wuhan

Wieder zuhause.. Zeit verging schnell, jetzt sitze ich in Melbourne und schaue mir die Bilder an. In China war wenig Zeit, da wir viel mit Familie unterwegs waren. Daher geht es jetzt durch die letzten zwei Wochen unserer Reise.

Wuhan also,, eine Stadt voller Tanten und Onkel und Cousins und Cousinen. Viel Familiengeschichten, da Qian hier an der Uni gewesen ist.

Eine der Kusinen nimmt uns auf, wir wohnen eine Woche bei ihr und ihrem Ehemann. Die beiden haben in einem Wohnungskomplex eines Forschungsinstituts eine zweistöckige Wohnung unter dem Dach, im zehnten Stock, Nummer 1001. Während unserer Zeit bei ihnen muss es mindestens 1001 Geschichten gegeben hatten, die sie miteinander teilten. Ich habe mich zeitweise diskret aus dem Verkehr und in unser Zimmer gezogen, mein Chinesisch ist leider praktisch nicht existent. Mein Gehirn kann sich zwölfstellige Nummern für den Einlaß ins Haus merken, aber “Guten Morgen” in Mandarin? Und wenn ich mir das erlesen habe, kommt Qian und sagt mir,
dass das nicht die gebräuchliche Wendung ist. Oder ich verwechsele es mit kantonesisch, C’est la vie..

(Ein Blick von der Wohnung über die Stadt)

Die Tanten und Onkel wohnen nicht sehr weit entfernt auf dem Unigelände. Dort spielte sich unser “Alltag” zumeist ab. Auch, da Qian mir en wenig ihre Uni zeigen wollte. Einiges steht noch da, einiges wird neu gebaut und ganz Altes auch mal abgerissen. Da entsteht dann wieder etwas Neues.

 

(Fertig! Die frisch Graduierten beim Fotografieren)

Was an der Uni auffällt, ist viel Grün. Man kann die Strassen, die eher gepflasterte ioder geteerte Parkwege sind, entlang wandeln oder radeln oder mit dem Moped (elektrisch) fahren. Ab und an ist auch ein Auto dazwischen, das geht dann aber ganz langsam. Es gibt Teiche und es gibt Sportplätze, auf denen bis spät in den Abend unter Flutlicht Fußball oder Basketball oder Tennis gespielt wird. Am Freitagabend ist dann viel los, Student:innen sitzen und stehen zusammen, flanieren, quatschen.. nun, es wird noch mehr geben 🙂

 

(Vor der Uni im Regen, ein “Bücherausleihautomat” in der Metro)

Am ersten Abend waren wir dann zu zehnt essen. Da waren unsere Gastgeber, seine Mutter, Tante no.4 und Tante no. 6 jeweils mit Mann, und ein weiterer Cousin, der Sohn von Tante No.6. Dieses “Nummerieren” von Verwandten ist im Chinesischen üblich. Der Name wird seltener genannt, und die Bezeichnungen sind recht spezifisch. So weiß man von der Anrede, ob man mit der Großmutter mütterlicher- oder väterlicherseits, mit dem jüngeren oder älteren Cousin redet.

Wir aßen in der Uni, die auch Gaststätten hat. Wir haben zumeist in Einzelzimmern gegessen, die von Qians Verwandten oder Freunden gebucht wurden. Im Raum steht ein großer runder Tisch mit Drehkarussel (auf englisch “Lazy Susan”, keine Ahnung, wie man das am besten in deutsch nennt). Alle Essen kommen in die Mitte und dann geht es los. Es ist ein Fisch dabei, eine Ente oder Gans, Suppen mit Fischbällchen, Lotuswurzel sind gerade in der Saison, ein lokal gefangener Krebs etc. pp. Wuhan, die Hauptstadt von Hubei, hat keine eigene Küche, heißt es, stattdessen “absorbiert” es allerlei Mahlzeiten und Rezepte aus den umlegenden Provinzen.

(Ein weiterer Onkel und ein Kommilitone von Qian)

Wuhan selbst ist eine Erfindung der Neuzeit. Erst im 20.Jahrhundert wurden drei Nachbarstädte, die an der Mündung des Han Rivers in den Yangtze liegen,
zusammengefasst. Der Han River kommt von Norden, von Shanxi, die *Hauptquelle” des Yangtze liegt weit im Westen, in Tibet. Übrigens: Während wir im Westen zumeist vom Yangtse als Ganzes reden, ist lokal der Name dem unteren Teil des Flusslaufes von Nanjing vorbehalten. Im ganzen heißt der Fluss in China Chang Jiang, langer Fluss.

Zurück zu Wuhan, Heimat von ca. 19 Millionen Menschen: Wo unter anderem die Universitäten zuhause sind und wir die meiste Zeit verbrachten, ist Wuchang. Dann ist da noch Hankou mit seinem alten Hafen, in dem heute eingekauft und gefeiert wird, und Hanyang, welches wir nicht sahen, dem Vernehmen nach ist da viel Industrie zuhause. Bis 1957 musste man mit Fähren den Yangtze überqueren, eine Eisenbahn- und Straßenbrücke verbindet seitdem Wuchang und Hankou und Eisenbahnen können
seitdem direkt von nach Peking nach Guangzhou fahren. Wuchang hat einen Platz in der Geschichte des modernen Chinas dank eines Aufstandes im Jahre 1911, der zur Abdankung des letzten Kaisers der Qing-Dynastie und zur Ausrufung der Republik führten.

An einem etwas regnerischen Tag waren wir zu zweit in Wuchang unterwegs. Um 2010 wurde dort ein “Europaviertel” gebaut, mit italienischer, spanischer, deutscher etc. Gegend. Ich hoffte, dort etwas Nachtleben zu finden. So ganz überzeugend sah das nicht aus, aber immerhin haben wir eine Rockmusikschule gefunden und Schilder, die auf einen Bogenschießklub hinwiesen.

Wirkliches Nachtleben gab es am Freitagabend in Hankou. Viel Volk war auf den Straßen, es wurde flaniert, posiert und gegessen. Am Anfang ein paar Goldschmuckläden, auf deren Balkonen junge Frauen zu Popmusik tanzten, wir sahen einige hübsch “verkleidete” junge Damen – wir ließen uns einfach treiben. Für eine Weile saßen wir in einem Laden, der früher ein Postamt gewesen ist. Wir bekamen einen kleinen Beutel mit Aufschrift: Make China Great Again. Joo, muss man haben!

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Schließlich ging es nach Hause. Dieses hier ist ein zentraler Platz nahe unseres Quartiers: Oben ein großer Kreisverkehr für Autos, unten ein rundrumlaufender Tunnelgang für Fußgänger und schließlich eine Metrostation. Auf dem Weg nach Hause schauten wir oft bei den Obsthändlern auf der Straße nach und kauften Kirschen und Lychees für den Frühstückstisch.

An einem anderen Tag waren wir mit der körperlich Agilsten der fidelen Onkel-/Tantentruppe und ihrem Sohn unterwegs. Sie ist 93 Jahre alt. Ihr Ehemann gleichen Alters ist leider nicht mehr so gut unterwegs. Es war interessant zu sehen, wie bei den älteren Herrschaften der Charakter immer noch durchscheint. Der 93jährige wurde gefragt: Wie alt bist Du?, seine Antwort: 35. Als jemand auf sein wirkliches Alter hinwies, entgegnete er: “Das kann gar nicht sein. So alt wird man doch nicht!” Es war nicht einfach, ihn zum Gehen zu bewegen. Wenn es aber ums Eimkaufen ging, wollte er mit, zum Helfen. Ein anderer Onkel war Geschäftsmann. Als wir essen gingen, guckte er immer wieder auf die Rechnung, ob denn auch alles stimmte. Nicht, dass er bezahlt hätte.

Zunächst gingen wir mit besagter Tante und Cousin zum 150 Jahre alten Gude-Tempel. Ein interessanter Ort, die Gebäude sehen von der Fassade wie ein grichischer Tempel, eineMoschee oder eine Kirch aus, tatsächlich alles vertreten. Er ist aber ein buddhistischer Tempel. Das Hauptgebäude, die Yuangtong-Halle ist außen einem griechischen Tempel nachempfunden, innen einem burmesischen buddhistischen Tempel.

Danach gingen wir am Fluß spazieren. Eine endlos erscheinende Promenade, ein Park, der Blick auf den Fluss mit Schiffen und den Hochhäusern der Stadt auf der entgegen liegenden Seite. Es war heiß, Tante Nr.4 musste sich etwas ausruhen.

   

Wir gingen zum Essen. Danach machten wir uns auf in die europäisch geprägten Straßen von Hankou auf. Nach dem zweiten Opiumkrieg war auch Wuhan einer der von westlichen Mächten beherrschten Handelsorte. Heute läuft man dort spazieren oder macht Hochzeitsfotos. Die werden übrigens in China wohl zumeist vor der Heirat angefertigt.

Eine ehemalige russisch-orthodoxe Kirche war Museum geworden, die über den Teehandel zwischen China und Russland berichtete.

Wie gesagt, wir waren bei Cousine und Ehemann einquartiert, was sehr nett war. Unter anderem waren wir einen Tag mit ihnen unterwegs, Radeln am großen See von Wuhan. Wir stiegen auf einen Berg, an dessen Spitze einer Pagode war, ein Denkmal, einem Sterngucker gewidmet, und haben den Weg im Grüb und die Blicke auf den See genossen. Und, gut geraten, wir waren essen!

Alles in allem ebenfalls eine schöne Woche. Vielleicht sind wir nächstes Jahr wieder hier – wir haben ein Treffen der Mitstudent:innen von Wuhan ins Rollen gebracht, welches eventuell im September 2026 stattfindet. Wir werden sehen. Dann sicher auch wieder mit Familienbesuch.

Bis dann!

Drei Wochen China – Woche eins im Yangtze-Delta

Wir sind auf dem Weg durch das Reich der Mitte. Die erste Woche verbrachten wir in Shanghai und Hangzhou, zwei Großstädte mit 25 Millionen und 13 Millionen Einwohnern.

Shanghai Aunty, Qians Tante, lebt in Qibao. Es ist eine alte Stadt, deren Wurzeln bis ins 10.Jahrhundert zurückreichen und die ihren Namen dem Qibao-Tempel zu verdanken hat. Heute ist diese Stadt ein Stadtteil von Shanghai, eingebunden in das Metronetz, welches den gesamten Großraum von Shanghai bedeckt oder besser gesagt unterquert.

So machten auch wir hier unser Quartier. Schnell gewöhnten wir uns an die kleinen Wege durch die Gassen, die sich Fussgänger:innen und Mopeds teilen, Häuschen für Häuschen allerlei Kleingewerbe oder Kleinstgaststäten beherbergen. Alte Steinbögen überqueren die Wasserwege, und auf den größeren Straßen brummt der Verkehr. Wobei das mit dem Brummen nicht so voll ist – ein größerer Teil der Autoflotte ist elektrisch, wie auch die Mopeds, Busse und anderes Gerät auf Rädern. Einige Häuserzeilen sind renoviert, andere nicht, die kleinen weißen Häuser sehen dann nicht besonders elegant aus. Wenn aber abends die Laternen leuchten, sieht es schon schick aus. Vor unserem Hotel ist es abends recht laut, größere Gruppen junger Menschen essen und trinken neben dem Wasser bis spät in die warme Nacht, die Batterien großer 2/3-Liter-Flaschen Tsingtao-Bier weisen auf erheblichen Konsum hin. Am Morgen ist davon nicht viel zu sehen, eine Frau fegt kurz nach Sonnenaufgang die letzten Überreste hinweg.

Wir konnten gut schlafen, selbst die Flugzeuge störten uns nicht. Ich hatte in den ersten Tagen leider mit Schnupfen zu kämpfen. Ich hatte mich erkältet. Nicht wegen des Wetters – 25 Grad am Tag waren für mich sehr angenehm, sondern wegen den tiefgekühlten Innenräumen und besonders der Metro. Jetzt trage ich eine Kappe, um den Kopf warmzuhalten.

Am ersten Abend bewirtete uns Aunty mit Selbstgekochtem. Shanghai-Küche hat einen leichten Hang zum Süßlichen, es gab Fleisch, Pilze, Gemüse und Reis. Ich vermute, ich habe etwas vergessen. Wie üblich in China, standen die Gerichte in der Mitte und jeder bediente sich davon. Meine Tochter hat in einem chinesischen Restaurant in Berlin versucht, Verwandte davon zu überzeugen, war aber nicht erfolgreich: Jeder bestellte sein eigenes Gericht.

Mit ihr und ihrem Sohn waren wir auch in Zhujiajiao, einer alten Wsserstadt am heutigen Stadtrand von Shanghai. Auch wenn Aunty schon über achtzig ist, ist sie gut zu Fuß. Wir wanderten durch den gut 1700 Jahre alten Ort, über die Brücken und an den Kanälen. Auch waren wir auf einer kleinen Bootstour. Der Bootsmann ist von der Stadtverwaltung eingestellt.

Einen anderen Tag waren wir allein zu zweit in Shanghais Innenstadt unterwegs. Wir stiegen an einer Metrostation ein paar Kilometer vor dem Bund aus und machten uns auf die Wanderung dorthin. Mir gefällt es, dass trotz der Stadtdichte, der hohen Büro- und Wohnhäuser, immer wieder grün zu finden ist. Wir kamen auch durch Xintiandi, ein hippes Viertel, autofrei, zum Einkaufen, Essen und fürs Nachtleben. Die zwei- oder dreistöckigen Shikumen sind Terrassenhäuser aus dem 19.Jahrhundert, europäische Bauart mit chinesischer Färbung. Wir haben im Teatro gegessen, einem modernen italienischen Restaurant, sehr schmackhaft, aber auch zu
westlichen Preisen.

Schließlich gelangten wir zum Bund, die Promenade am Ufer des Huangpu. Auf der anderen Flußseite liegt Pudong mit dem Turm, den viele als Wahrzeichen von Shanghai kennen werden. An der Uferstraße, der Zhongshan-Straße, stehen die imposanten Häuser aus der Zeit des Vertragshafens, als nach den Opiumkriegen im 19.Jahrhundert
die westlichen Mächte sich einen vorteilhaften Handelszugang zu China verschafft hatten. Wir suchten das Hotel, in dem wir mit den Kindern 2012 gewohnt hatten, das gibt es heute aber nicht mehr. Die meisten der alten Hochhäuser am Bund gehören heute Banken – jemand anders kann sich da wohl nichts mehr leisten. Für Normalsterbliche it ausreichend gefüllten Geldbörsen gibt es die Nanjing Street, wo man Armani, Gucci, Luis Vitton und mehr findet, Wir sind dort durchgewandert, bis wir zur U-Bahn kamen, dann ging es nach Hause.

Den Tag darauf waren wir mit Aunty unterwegs: Wir waren am Yu Garten. Dieser hat seinen Ursprung im 16.Jahrhundert, während der Ming-Dynastie. Pan Yunduan ließ ihn für seinen Vater, den Minister Pan En, bauen, nachdem er ein Examen am kaiserlichen Hof nicht bestanden hatte. 1559 begann der Bau, wurde aber erheblich verzögert, da Yunduan als Gouverneur in die Sichuan-Provinz beordert wurde. Unter anderem ist in dem  Garten der Yu Ling Long, der exquisite Jade-Stein zu sehen, ein mehrere Tonnen schwerer Stein, der so durchlöchert ist, dss, wenn man unten eine Räucherkerze ansteckt, es aus allen Poren raucht, wie es heißt. Einer nicht 100% bestätigter Sage nach sollte er nach Peking zum Kaiser, wurde hier aber aus dem Wasser gehievt, nachdem das Boot beim Transport versunken war.

Der Garten ist schön. Man solle sich nur nicht denken, dass man darinnen alleine ist.

Qians Tante lud uns in ein Teehaus ein, in dem verschiedenerlei Backwaren sehr schön dekorativ präsentiert wurden. Sie hatte ihre Hochzeit hier gefeiert, mit engsten Verwandten um einen Tisch, als auch die Goldene Hochzeit. Leider ist ihr Mann vor ein paar Jahren verstorben, ich erinnere mich noch an die beiden, als wir 2012, glaube ich, mit den Kindern hier waren. Er wie sie haben uns nett umsorgt.

Hier noch ein bisschen Alltag: So sieht Wäscheaufhängen in Shanghai aus. Ein schnuckliges Elektroauto – halb China ist inzwischen nicht mehr mit Benzinern unterwegs, aber nicht alle sind so süß klein. Der Green Party ist das Grün ausgegangen?

Nun zu unserem Ausflug nach Hangzhou: Wir fuhren Sonntagabend dorthin. Ein Blick aus dem Zug: Wo keine Häuser sind, sind Felder oder Wald oder Wasser. Im Yangtze-Delta ist Wasser nie weit.

Die Wahl des Gasthauses war etwas überraschend für mich: In der Mitte der Stadt, zwischen West- und Ostbahnhof, hatte Qian gesagt. Das mochte geografisch stimmen, Stadtmitte war es aber nicht: Unser Gasthaus war im Westlichen Sumpfland, einem Park mit vielerlei Wasservögeln und einem kleinen Dorf. Das haben wir zwar nicht besucht, wir waren aber morgens nahe des Parkeingangs unterwegs, sahen Frauen beim Tai-Chi zu und schauten ein wenig aufs Wasser.

Unser Schlaf war ruhig, die Abwesenheit von Feiernden oder Flugzeugen hat uns nicht gestört. Morgens zwitscherten stattdessen die Vögel.

Schließlich kamen Tetzi und Hua. Letztere fuhr das Auto, mit dem wir zum Essen an einem See fuhren. Welches sehr schmeckte, ausserdem freute ich mich, die beiden nach x Jahren wieder zu sehen. Danach gingen wir zum Nationalen Teemuseum. Tee spielt in China eine grosse Rolle. Für mich war es aber auch einfach schön im Grünem zu wandern. In Australiens Süden sind wir so ein knalliges saftiges Grün nicht gewohnt. Bei uns ist es eher trocken und gelblich, hier, in einer Landschaft, durch die sich viele Kanäle und Flüsse ziehen, bis hin zum Riesenfluß Yangtze, wächst und gedeiht es prächtig.

Später brachte uns Tetzi zur “Seidenstraße”, also ein paar Hundert Meter von Seidenkleidung vertreibenden Geschäften. Nun ja, unser Koffer hat nun auch ein wenig Seide geladen. Schließlich gelangten wir zum berühmten Westsee, an dem vielerlei Volk flanierte. Ist schon schön, gar keine Frage. Nicht nur wegen der Landschaft, den Pagoden und den Bergen, sondern auch der vorwiegend jugendlichen Menschen, die sich in traditionelle Kleidung gesteckt und geschminkt hatten. Dabei spielt das Geschlecht keine Rolle, wer sich nach Verkleiden sehnt, darf das tun.

Ein kurzes Abendessen im Einkaufszentrum mit Tetzi, danach war der Tag vorbei. Ich denke ernsthaft drüber nach, einmal für längere Zeit nach Hangzhou zu kommen.

Der nächste Tag galt der Rückkehr nach Shanghai und genauer Qibao, einem kurzen durch den Stadtteil streifen, ich fand Zeit, mir den bereits erwähnten Tempel anzuschauen.

Zu Abend aßen wir noch einmal mit Aunty und Cousin. Den Tag drauf sassen wir wieder im Zug, dieses Mal ein wenig länger fahrend, nach Wuhan.

Das letzte Bild von Qibao: Der Glockenturm in der Altstadt. Auf Wiedersehen!

Nach Ostern

.. fuhren wir nach Osten und dann nach Norden, um uns mit Elke und Stanley zu treffen.

Ich nahm den Mittwochnachmittag frei, und gegen drei waren wir im Auto, das Hotel California hinten dran, und fuhren hinaus aus der Stadt, zunächst nach Südwest.

Im wesentlichen galt es dem M1/A1, dem Princes Highway zu folgen, der sich an oder nahe der Küste entlangschlängelt, zunächst vorwiegend westwärts, dann zur Grenze nach New South Wales und hoch gen Norden, wo schließlich Sydney liegt. Aber nicht ganz so weit, unser Ziel war Eden. Von Sydney kamen Elke und Stanley, wobei das nicht ganz stimmt, Sie kamen aus Canberra angereist, in dessen Nähe einer der Söhne wohnt.

Wir machten uns erst einmal auf den Weg nach Moe. “Moe-Steven” war leider letztes Jahr verstorben, wir besuchten seine Frau, mit der wir abends in eine Tapas-Bar gingen. Wobei nicht alles Tapas waren, es gab u.a. Hühnchen in Pyjamas, pardon, Chicken Parmigiana, und auch die Tapas hatten Kneipengröße. Chicken Parmigiana, Hühnerbrust eingehüllt in Käse und Tomatensauce, ist, wie mir die Wikipedia verrät, ein Gericht mit US-Ursprung, wo es in den 1950ern von italienischen Einwanderer:innen “erfunden” wurde. In Australien kann man das Gericht in vielen Kneipen finden, zumeist mit vielen Pommes Frites zur Seite, und ein wenig Grünzeugs.

Kati gab uns am Abend Palatschinken auf den Weg, gefüllt mit Nutella, Walnuss oder Ricotta. Diese wurden für die nächsten zwei Tage unser Frühstück.

Moe liegt im Latrobe Valley, in dem Braunkohle abgebaut wird und in Kraftwerken verheizt. Das prägt die Region, auch wenn es mit der Kohle und den Kraftwerken dem Ende entgegen geht. Hazelwood z.B. wurde bereits abgeschaltet, die anderen gerade noch am Leben erhalten, aber auch sie sind alt und nicht renovierungsfähig. Die Zukunft ist ganz klar und eindeutig erneuerbare Energieformen, auch wenn die Opposition Fieberträume von einer noch nicht existierenden Nuklearindustrie hegt. Nächstes Wochenende sind Wahlen und hoffentlich können wir diese Wotan-Wahnwitz-Fantasien dann ad acta legen.

Das Land wird flach, es gibt Gras und Kühe, wenn man nicht gar zu genau hinschaut, um die Baumarten zu erkennen, hat es ein wenig mecklenburgischen Charakter. Wir machen Mittagspause zur Brotzeit etwas abseits des Highways. Bei Lakes Entrance sehen wir das Meer noch einmal, kurz vor Halbzeit auf der Fahrt nach Eden, den 550 km im Ganzen, dann wird es hügelig und waldig. Bis Eden sind kaum noch nennenswerte Orte zu finden, selbst kleinste Ortschaften wie Cann River und Orbost erscheinen nur alle 50+ Kilometer. Die verheerenden Waldbrände vn 2019/20 sind immer noch an angekohlten Baumstämmen zu sehen, auch wenn sich der Wald im
wesentlichen davon erholt hat. Dunkles Grün umsäumt die Straße für etliche Kilometer.

Schließlich erreichen wir Eden, treffen unser Freundespaar, entfalten unser Zeltdach und essen gemeinsam Abendbrot. Stanley gibt mir sein Spezialrezept zum Hände kühlen, dunkles Toohey Old, und auch Rotwein. Auf dem Weg ins Bett sehe ich die Milchstraße über mir und höre den Ozean ans Ufer schlagen. Eden halt.

Am nächsten Tag machen wir uns auf zu einer kleinen Wanderung auf dem Bundian Way. Ein Pfad hinter der Küste, ein paar Kilometer auf den Spuren der Aborigines, die hier vermutlich für Jahrtausende wanderten. Im Sommer hinauf in die Berge, im Winter, wenn es kühler wird, an die See. Schautafeln machen uns ein wenig mit ihren Geschichten vertraut, wie auch mit der geologischen Vergangenheit der rötlich gefärbten Klippen, die sich vor 360 Millionen Jahren aus Sedimenten bildeten und fossile Zeugnisse für damalige Wälder und Fauna sind.

Zurück kletterten wir über das Ufergeröll und -gestein zurück,

dabei allerlei Schabernack und Muschelsammeln betreibend.

Über jüngere Geschichte kann man am Boyd Tower meditieren. Bei Eden steht der Boyd Tower, ein Monument, welches sich Benjamin Boyd auf der Höhe seines Reichtums  bauen ließ. Gedacht als Leuchtturm, war es ihm nicht erlaubt, diesen zu betreiben, so wurde der Turm vor allem zur Ausschau nach Walen benutzt. Die Aborigines  jagten Wale vor der Ankunft von weißen Einwanderern, diese betrieben Walfang in großem Umfang und dezimierten die Zahl der Meeressäuger.

Benjamin Boyd war der erste, der hier Blackbirding betrieb. Aus dem Südpazifik wurden dortige Ureinwohner nach Australien verschleppt, um hier unter sklavereiähnlichen Verhältnissen zu arbeiten. Ein Schiff mit 65 Insulanern kam 1847 in Eden an. Diese wussten kaum, was ihnen hier geschehen sollte. Den Kolonisten wurden auch etwas ungemütlich zumute, und es wurde beschlossen, das zu verbieten. Einige der Insulaner machten sich auf den Fußweg nach Sydney und versuchten, nach Hause zu finden. Nicht vielen gelang das. Einige fanden Arbeit, die Spuren verwischen sich hier, vom Ende ihrer Geschichte ist nicht viel bekannt.

Boyd bekam finanzielle Schwierigkeiten, und wurde schließlich bankrott und machte sich aus dem Staub. Blackbirding wurde später bis ins 20.Jahrhundert hinein vor allem in Queensland z.B. auf Zuckerplantagen betrieben.

Der Ozean ist zu schön, um bei blauem Himmel und Sonnenschein allein gelassen zu werden, auch am nächsten Tag liefen wir noch einmal auf einen Weg nahe der Küste, auf dem Pinnacles Walk.

Hier verweilten wir einige Zeit am Strand.

Am Nachmittag waren wir am Pambula River.  Die Flut drückte das Wasser in das flache Flussbett hinein, Kinder spielten hier, geschützt von den übermannshohen Wellen des Ozeans. Einst fuhren von hier Schiffe nach Sydney, beladen mit Obst und Gemüse aus den Gärten am Flusse. Die Frauen machten auf der Wanderung Fotos von verschiedenerlei Pilzen, die hier wachsen. Eine Art leuchtet im Dunkeln grün, wie Elke uns später mit einem gesammelten Exemplar zeigte. Spät am Abend bemerkten wir Wetterleuchten von irgendwo in der Ferne, wir blieben aber auch diese Nacht vom Regen verschont. Bemerkenswert, da es fast überall an der südlichen Ostküste Australiens regnete. Ist halt Eden..

Aber auch für uns ging die Zeit im Paradies dem Ende entgegen. Wir verabschiedeten uns und Qian und ich machten uns auf den Weg nach Hause. Zurück ging es wieder über die hunderte Kilometer lange “Waldstraße” des Princes Highway, in dem auch wir schließlich etwas Regen fanden, wenn auch selten stark. Im Lakes Entrance aßen wir in einem Cafe zu Mittag. am Abend erreichten wir das Südende der Stadt. Wir beschlossen, ein afghanisches Restaurant zu besuchen, eine weitere Gaststätte auf unsere Stadtreise “In 80 Küchen um die Welt”. Das Essen schmeckte und das Restaurant sah stattlich aus. Die Bilder an der Wand, das berühmte Schulmädchen und die Buddhastatuen im Felsen, die von den Taliban zerstört wurden, waren ein Anzeichen dafür, dass der Betreiber auf die heutigen Machthaber in Kabul nicht sehr gut zu sprechen ist.

Für uns war es ein schönes Ende unseres verlängerten Wochenendes.