Es ist Montag. Und da hat Qian ein wenig zu arbeiten – sie sorgt dafür, dass andere en Gehalt bekommen, und ich nutze die Zeit, um ein wenig rumzudaddeln und dies hier zu schreiben. Ich gucke aus dem Fenster, 26. Stock, und versuche mich an die letzte Woche zu erinnern. Also, wo war ich stehengeblieben? Ach ja, Malakka. Zurück zum Text.
Am letzten Tag in Malakka waren wir in einem Museum in Malakka, welches Zheng He gewidmet ist, einem chinesischen Admiral, der zu Zeiten der Ming-Dynastie, im frühen 15.Jahrhundert, mit bis zu 28 000 Mann in und über den Indischen Ozean fuhr. Das größte Schiff war vierstöckig und 110x45m gross, ein Fußballfeld ausfüllend. Dazu dutzende Versorgungsschiffe mit Wasser und Reis etc.
Zheng He war ein Muslim aus Yunnan unter dem Namen Ma He, welcher als Kind gefangen genommen und als Eunuch versklavt wurde. Das Museum geht ein wenig ins Detail einer Kastrierung, die nicht nur schmerzvoll, sondern auch lebensgefährlich war. Viele sind dabei gestorben. In seiner Jugend war er Soldat. Er zeichnete sich als solcher aus und spielte auch eine Rolle in Kämpfen um die Thronfolge der chinsischen Kaiser. In den Diensten von Zhu Di, welcher als Yongle Kaiser 1402 den Thron bestieg, wurde ihm 1404 der Name Zheng He verliehen. In den nächsten dreißig Jahren war Zheng He mit seinen Flotten auf sieben Reisen. Während dieser lief er oft Malakka, von China gesehen Eingangshafen auf dem Weg zum Indischen Ozean, an.
(Fotos: Zheng He und die Flotte, als Kind mit seiner Lieblingsschwester, eine Statue einer jungen Frau – hübsch, aber keine Ahnung, warum sie in der Ausstellung war, und ein Reisdrescher – ein wenig die zu Zheng Hes Zeiten vorherrschende Maschinerie andeutend).




In Malakka hatte ich am Ende so was wie ein Lieblingscafe, welches Kaffee aus allen 13 Staaten Malaysias anbot. Neben Arabica und Robusta, letzteres in Südostasien weitverbreitet, wird in Malaysia auch Liberica angebaut. Ursprünglich aus Westafrika stammend, wurde diese Kaffeesorte zunächst auch in den Philippinen angebaut. Im 19.Jahrhundert brachte ein britischer Landbesitzer diese Sorte nach Malaysia, da sie sich für die dortigen und oft überschwemmten Böden besser eignete.
(Nicht aus diesem Cafe – dieses Foto zeigt mich bei einem anderen guten Essen in Malakka)

Wie beendeten den letzten Tag in Malakka mit einer Bergbesteigung und eine Bootstour, Auf dem Berggipfel ist eine Kirchenruine, die unter den Portugiesen gebaut wurde. Später haben die Niederländer den Ort als Begräbnisstädte benutzt. Ich habe versucht, die Inschriften direkt zu lesen, mein rudimentären Kenntnisse in Plattdeutsch zur Hilfe nehmend.
(Zu den Fotos: Das erste eine noch benutzte Kirche unterhalb der Ruine, Betriebsausflug, die letzte Grabtafel lässt eine Familientragödie erahnen, eine damals tödliche ansteckende Krankheit?)



Die Bootstour auf dem Fluss, am Abend und mit ein bisschen Wind, war erfrischend.


Schließlich war es Zeit für die Busfahrt nach Kuala Lumpur. Hier wollten wir ein wenig verschnaufen, bevor es weiter nach Pedang, nach Georgetown ging. Im Kings Valley, dem Ballungsraum mit der Bundeshauptstadt Kuala Lumpur, leben mehr als 10 Millionen Menschen. Ein Moloch, welcher nicht unbedingt fußgängerfreundlich ist. Fußwege beginnen und enden plötzlich, sind buckelig, haben Stufen zwischen zwei Häusern etc – für Leute mit Rollstuhl oder Kinderwagen ein Graus, würde ich sagen. Die Stadt ist autobeherrscht, auch wenn es, oft auf Stelzen, Stadtbahnen gibt. Es war 1.Mai, langes Wochenende, und viel los. U.a. DJs, die lautstark eine Einkaufsmeile beschalten. “Are you ready?” Nun, vor allem Qian nicht wirklich. Wir “verzogen” uns in die Pavillion Mall, ein Einkaufszentrum mit allerlei noblen, teuren Marken, und hatten ein sehr gutes Essen und wohlschmeckendem Pu’er-Tee. Zum Abschluss gab es an einem Cafe Creme Brulee.

Ganz anders war das Abendessen auf einem Nachtmarkt einen Tag später. Ein Schauspiel, zu dem der “Falling in Love”-Sänger genauso dazu gehört wie der ältere Angestellte, der mit uns Fotos machte und uns unterhielt. Das Bier war im Longneck, 640 ml, kleiner hatten sie’s nicht, und Qian hat u.a. Frosch bestellt. Für sie das erste Mal seit zwanzig Jahren, ich habe das sicher auch lange nicht mehr gemacht – schmeckt übrigens ganz gut.

Wir wohnten in einem der vielen Hochhäuser. Unseres hatte ein Schwimmbad hoch oben, leider wegen Renovierung geschlossen. Daher nur zum Fotografieren oben gewesen. Es ist schon verrückt, was man so mit Stahl & Beton machen kann – schließlich wiegen die Wassermassen ja auch..

Hier in George Town im 36.Stock ist das Schwimmbad offen – und da geh ich jetzt hin… sehr schön! Wo gestern, am Sonntag. viele Familien planschten, war ich heute Mittag ganz allein und konnte mit Blick über die Stadt, das Wasser und die Berge ein paar Bahnen ungestört schwimmen, teils auf dem Rücken in den Himmel schauend, der etwas wolkenverhängt war.
