Das Hotel California auf Busch- und Ozeantour

On a dark desert highway
Cool wind in my hair
Warm smell of colitas
Rising up through the air
Up ahead in the distance
I saw a shimmering light
My head grew heavy and my sight grew dim
I had to stop for the night

Als ich vor kurzem diese Zeilen hörte, fiel mir auf, wie unüblich diese Art des Reisens geworden ist. Einen Tag einfach unterwegs sein, bis es Abend wird, und sich dann nach einem Schlafplatz umsehen?

Genau das haben Xavier und ich gemacht, auf dem Weg in das benachbarte Bundesland New South Wales. Wobei man dazu die Größe Australiens einbeziehen muss. Die Entfernungen sind beträchtlich, durchaus den USA vergleichbar. Dabei blieben wir immer noch auf dem Südrand des Kontinents.

Den Anfang machten wir allerdings zu viert. Ein “Wild Bunch” von Männern, die sich in Melbourne seit zwanzig Jahren kennen. Edgar hatte gar T-Shirts gemacht, die am Abend in der Kneipe sowie beim morgendlichen Bushwalk für Aufmerksamkeit sorgen, als wir alle diese T-shirts trugen. Der Name geht auf unsere Kommunikationsgruppe zurück, die wir während der Pandemie etabliert hatten. Irgendeinen Namen muss man dem ja geben. So, Wild Bunch it was.

Am Freitagabend ging es nach Rye auf der Mornington Peninsula, der Halbinsel am südöstlichen Zipfel der Stadt Melbourne. Auf einer Seite liegt die nur windwellenplätschernde Bucht Port Phillips Bay, auf der Südeseite hingegen der mächtig gewaltige Südliche Ozean. Davon später mehr. Unser Zeltplatz in Rye war direkt am Strand zur Bucht, die morgens in der sommerlichen Sonne sanft glänzend vor uns lag, als wir in sie hineinglitten, um den schweren Kopf vom Vorabend wieder klar zu bekommen. Der Abend war feucht und gesellig gewesen. U.a. redeten wir mit einer Gruppe jüngerer Menschen.. Eine Kanadierin hat ihre nach Australien verheiratete Freundin besucht. Der Anlass war ein Konzert von Taylor Swift. Diese hatte dreimal das MCG ausverkauft, fast 300 000 Menschen haben sie gesehen. Warum, kann ich nicht sagen. Ich gehöre aber auch nicht in ihre Zielgruppe.. warum der etwa gleichaltrige Prime Minister von Australien als Swiftie ausgibt.. nun ja.

Nach einem zu viert veranstalteten Waldspaziergang bei Cape Schanck machten Xavier und ich uns auf den Weg gen Osten. Wir hatten unser Hotel California dabei – den Anhänger mit Zelt. Damit konnten wir am Ende des ersten Abends im waldigen Gippsland bei den Tara Falls übernachten. Statt Champagner gab es Malzbier, und frisches Brot aus St.Kilda hatten wir auch dabei. Eigentlich waren wir auf einer sich durch den Wald schlängelnden Straße auf dem Weg zu einem Zeltplatz. Die Tara Falls waren aber schon von allen Tourist:innen verlassen worden, die Straße war still. Da konnten wir auch am Straßenrand übernachten.

Am Morgen machten wir uns auf der Schlängelstraße heraus nach Süden an die Küste. Die Straße war teilweise so eng, dass ich hupte, um – nie kommenden – Gegenverkehr zu warnen, bevor es langsam um die Kurve ging. In Yarram gab es Frühstück und in Bairnsdale zeigte ich Xavier eine Kirche, die von einem italienischen Einwanderer aufs prächtigste bemalt wurde.

Tank girl ist auch hungrig.

In Lake Entrance sprangen wir in die mannshohen Wellen des Ozeans. Schwimmen kann man das nicht nennen. Mir flößt der Ozean mit seinen Wellen und Strömungen immer wieder Ehrfurcht ein.

Xavier hatte den Tip Cape Conran zum Übernachten bekommen. Wir kamen rechtzeitig im benachbarten Marlo ein, hatten ein Bier und Abendmahl im Hotel Marlo und ließen uns auf die Empfehlung des Gastwirtes ein, im Ocean View Caravan Park zu übernachten. Diesen Abend also nicht kostenlos und mit Dusche etc. Der Himmel hatte sich leider zugezogen, so dass es mit der Sternenpracht nichts wurde. Am Abend zuvor hatte ich davon einiges ahnen können, die Bäume ließen aber nur einen Ausschnitt des Sternenzeltes sehen.

Schließlich, mit einem Stop in Eden, um noch ein Mal mit dem nun Pazifischen oder Stillen Ozean zu reden… von wegen still, gelangten wir nach Moruya, wo eine alte Freundin von Xavier wohnt. Es war sehr schön, bei ihr zu sein. Am ersten Abend war ihre Schwester mit uns im Pub, am zweiten musste das geplante BBQ, Grillen, mit der benachbarten Familie ausfallen, weil im Nachbarhaus ihr Bruder mt Covid niedergekommen war. Tja, das gibt es eben immer noch. Zu dritt waren wir am Tag noch in sanfteren Wassern schwimmen. Um Moruya herum gibt es Ozean, Flussmündung und Seen. Ein Paradies für den Badefreudigen – für mich z.B.

Schließlich wurde es zeit für den Heimweg, und den in einem Tag für die ca. 800km. Das war schon ein Stückchen. Trotzdem fanden wir ein wenig Zeit, uns unterwegs umzuschauen, z. B. Rochen im Wasser und Pelikane auf dem Wasser zu bestaunen. Die Rochen gehören für mich zu den fantastischsten Wesen, wie sie wie Unterwasserflugzeuge gemächlich durch das Wasser gleiten.

Wir sahen den Sonnenuntergang in den südöstlichen Vororten, bevor wir im Dunkeln nach St.Kilda zuhause einrollten.

Schön war’s!

Taiwan – Urlaub auf der Insel – Teil 1

Buchstabensuppe

Da sitze ich nun in Tainan, was im Süden liegt, wie “nan” verrät – im Gegensatz zu Taipeh, welches im Norden ist – “peh”, gesprochen eher wie das “bei” von Beijing, der nördlichen Hauptstadt Chinas.

Wenn wir aus dem Westen chinesische Wörter in Mandarin lesen, dann meist umschrieben in Pinyin, welches die Laute der Sprache in unser Alphabet übersetzt.  Dieses Pinyin wird auch in China benutzt, um chinesich in Telefone zu tippen.

In Taiwan wird hingegen eine andere Romanisierung der Sprache benutzt, Wade-Giles. Daher sehen die Stadtnamen z.B. oft anders aus als wir sie nach der Aussprache erwarten würden. Kaoshiung z.B. wird in Pinyin Gāoxióng.

Taiwanesen benutzen aber weder Pinyin noch Wade-Giles, sonder ein chinesisches phonetisches Alphabet, Bopomofo. Es wird hier in der Grundschule gelehrt. Es wurde 1912, nach dem Ende der letzten kaiserlichen Dynastie, in China eingeführt, und basiert auf einer Art Steno-Alphabet. Selbst wenn es phonetisch ist, es sieht mehr chinesisch als westlich aus.

Ankunft

Den Flug nach Taipeh hinter uns gebracht, mit Zwischenlandung in Manila. Wie üblich, hat es vier Stunden gebraucht, bis wir Australien überquert hatten. So groß ist unser kontinentgroßes Land. Beeindruckend, finde ich immer wieder. Es hat übrigens auch so ziemlich die Größe von China. Dort wohnen etwa 1,5 Milliarden Menschen, bei uns 25 Millionen. Allerdings haben wir keinen Gelben Fluß, keinen Yangtse, kein Perlenfluß. Australien hat WWW: wesentlich weniger Wasser.

Taiwan beherbergt 23 Millionen Menschen, also etwa die Einwohnerzahl Australiens, auf einer Insel, die mit gut 36 000 Quadratkilometern recht klein ist.

Nach der Landung geht es zunächst nach Taoyuan, einer Millionenstadt im Umland von Taipeh.

Durch einen Buchladen gebummelt. Sieht doch ein wenig anders aus als bei uns. Weniger Aufmachung, viele viele Paperbacks.

In der Ecke mit Liebesromanen waren auch schwule Paare auf den Umschlägen zu sehen, mit zärtlichem Blick oder sanften Berührungen.

Es ist Zeit fürs Hotel, am Morgen geht es nach Taipeh “proper”.

Umzug nach Taipeh

Wir schlafen die nächsten Tage ganz nahe am Hauptbahnhof.

Der Bahnhof ist riesig, finde ich, und vieles unter der Erde. Er ist S-Bahnhof, Fernbahnhof, Bahnhof für Hochgeschwindigkeitszüge. Es hat ganze Shoppingmalls. “Hier war ich schon!” , heißt noch lange nicht, ich weiß, wo ich bin.

Unser Hotel haben wir gut gewählt: Zwischen Love Hotel, einem Stundenhotel im 3.Stock, und Hope Hotel im 5., welches seit der Pandemie dicht ist, sind wir im 4.Stock.

Die 4 bringt im Chinesischen Unglück, da das Wort sì, 4, so ähnlich wie Tod, sǐ, klingt. Die beiden Worte unterscheiden sich nur in der Betonung.

In dem Hotel, in dem wir vorher waren, gab es keinen 4.Stock.

Erstes Frühstück in Taipeh: Cappuccino und Zimtschnecke, dann weiter zum proppenvollen Laden mit typisch chinesischen Frühstück in Taipeh: frittierte Gebäckstange, gedämpfte Dumplings mit Schweinefleisch, gesüßte Sojamilch und seidener Tofu mit Ingwersauce und Nüssen. Die Tische simples Metall. Die Arbeit ist hart und der Lohn sicher nicht fantastisch. Der Mindestlohn ist etwas über 26000 Taiwan-Dollar, über 800 Euro pro Monat. Ob den wohl alle kriegen? Wie weit mag man damit kommen?

Der Verkehr wird bei jeder grünen Ampel von einem Schwarm Motorrollern angeführt.

Es ist Winter, 14 Grad und kühl und kurz nach fünf ist es dunkel. Sollte hier Weihnachtsgefühl aufkommen?

So etwas wie Weihnachtsmarkt, aber jeden Tag, sind die Night Markets, Nachtmärkte in den Gassen der Stadt. Ananas, Kastanien, kandierte Erdbeeren , wie unsere Weihnachtsäpfel, Schnecken am Spieß, herzhafte Pfannkuchen mit Muscheln, Bratwürste, gefüllte Rinderrouladen… In den bunt geschmückten Gassen gibt es auch was zum Spielen und Kleider und…aber Essen ist Trumpf. Snack til you drop. Vor allem die jüngere Bevölkerung ist in Scharen auf den Beinen.

Wir finden ein Poster: Müll auf die Straße zu schmeißen wird mit einer Strafe von 6000 Dollar (200 Euro) belegt.

Taipeh ist sehr sauber, man sieht kaum einen Fetzen Papier auf der Straße.

Später finden wir den Geruch.. oder Gestank von fermentiertem Tofu. 10 Shops weiter fanden wir den in Öl gebratenen Tofu. Der Geschmack ist ok, bleibt lange auf der Zunge.

Ein wenig Geschichte – von Ureinwohnern, europäischen, chinesischen und japanischen Kolonisten

Im japanischen Restaurant Misosuppe geschlürft und Unagi Zousui Teishoku, Reis mit Aal, und andere Essen geteilt, dazu Yuzu Tea, gesüßter heißer Saft einer japanische Zitrusfrucht, einer heißen Zitrone ähnlich, getrunken.

Mit dem Schnellzug nach Süden gefahren. Diesen gibt es seit knapp zwanzig Jahren. Im Gegensatz zum sonstigen Eisenbahnnetzwerk wurde es von einer Privatfirma gebaut und wird von solcher betrieben. Die Technologie basiert auf dem japanischen Shinkansen.

Auch findet sich japanisch inspirierte Architektur in den Städten von Taiwan.

In Tainan haben wir einen Ausflug ins Nationale Museum für Taiwanesische Geschichte unternommen. Etwas außerhalb der Stadt war es auch etwas ruhiger, an einem Lotussee gelegen, konnten wir auch ein wenig Natur und Vogelwelt bewundern.

In dem Museum ging es chronologisch durch die Jahrtausende. Lange bevor Chinesen nach Taiwan kamen, besiedelten andere Menschen das Land und fingen an, nicht nur as Sammler und Jäger durch die Insel zu streichen, sondern auch Hütten und Siedlungen zu bauen.

Diese Menschen gelten als Austronesier als Vorfahren vieler Völker, die wahrscheinlich von Taiwan aus mit Booten viele pazifische Inseln besiedelt haben, seit etwa 1500-1000 v.u.Z.

Im späten 16.Jahrhundert geriet Taiwan in die Blickweite chinesischer als auch japanischer Expeditionen. Es war aber auch das Zeitalter der Weltumseglungen aus Europa. Damit wuchs das Interesse an Taiwan, war es doch unweit der sogenannten Gewürzinseln, Japans und China. Zunächst setzten sich die Spanier (seit 1626) hier fest, wurden kurz danach von den Niederländern vertrieben. Die Holländische Ostindien-Kompanie war vorallem am Handel interessiert.

Han-Chinesen aus dem Festland begannen im 17.Jahrhundert, in Taiwan zu siedeln. Während einer Zeit des Umbruchs in China etablierte Zheng Chenggong, uns eher unter dem von den Holländern überlieferten Namen Koxinga bekannt, ein mit der Ming-Dynasty verbandeltes Königreich von Tungning, welches “ein Bein” in Fujien, auf dem chinesischen Festland, mit dem Zentrum der Stadt Xiamen, und ein zweites auf Taiwan hatte. Zunächst betrieben die chniesischen Neuankömmling Handel nach China parallel mit den Niederländern, kamen aber dann doch mit den Europäern ins Gehege und vertrieben sie schließlich.

Währendessen hatte sich in China die Qing-Dynastie etabliert. Sie verbot den Seehandel, um dem von Koxingas Sohn, Zheng Jing, geführten Königreich auf Taiwan  seiner wirtschaftlichen Grundlage zu berauben. Schließlich, im Jahre 1683, fiel das Königreich an die Qing-Dynastie.

Die Qing-Dynastie war an Taiwan nur mäßig interessiert. Sie sah Taiwans Wert vorallem in seiner Position. Durch die Kontrolle Taiwans wollten sie anderen Mächten und Seepiraterie an der Küste von Fujien vorbeugen. Die Einwanderung von Han-Chinesen war oft strikter Kontrolle ausgesetzt. Mal war es Chinesen erlaubt, mit Familie auf Taiwan zu siedeln, dann war es wieder verboten. Die Chinesen etablierten sich vorallem auf der Westseite der Insel, dem Flachland, auf dem Zuckerrohr und Reis angebaut wurde. In den Bergen waren nach wie vor die Ureinwohner zuhause. Da viele Chinesen ohne Frauen auf Taiwan siedelten, fließt heute auch in der chinesischen Bevölkerung oft das Blut der Ureinwohner:innen.

Ende des 19.Jahrhunderts erstarkte der nördliche Nachbar, das japanische Königreich. während der Meiji-Restoration modernisierte sich Japan. Schließlich kam es 1884/85 zum ersten Japanisch-Chinesichen Krieg. Im Ergebnis erlangte Japan die Kontrolle auf Taiwan, welche bis 1945, zum Ende des Zweiten Weltkriegs, hielt.

Auch Taiwan wurde in die Modernisierung von Japan einbezogen. Das Schulwesen, inklusive die Bildung der Ureinwohner:innen, fand nun oft in japanisch statt. Ich traf eine Taiwanesin, deren Eltern zuhause japanisch redeten. Unterschiedlichen Ethnien entstammend, fanden sie ihre gemeinsame Sprache in der Sprache, in der beide in der Schule unterrichtet wurden. Japanische Mode, japanische Teehäuser, japanisches Essen dominierte nun. Bis heute ist davon viel zu spüren, wie wir auf unserer Reise feststellten.

Auf dem Festland begann mit dem Ende der Qing-Dynastie, nach der Ausrufung der Republik, ein Bürgerkrieg zwischen der regierenden Kuomintang  und den Kommunisten. Während des Krieges gegen Japan ruhte er mehr oder minder, wurde aber nach der Niederlage Japans 1945 wieder aufgenommen. Schließlich übernahmen die Kommunisten 1949 die Macht in China und riefen die Volksrepublik aus. Die Kuomintang unter Chiang Kai-shek zog sich nach Taiwan zurück. 1952 gab Japan offiziell im Vertrag mit der Republik China, der Regierung der Kuomintang, seine Ansprüche auf Taiwan auf.

Krankheit – aufgeschnappt und rumgereicht

Wenn einer eine Reise tut, dann kann er was erleben, heißt es so schön. Unter anderem sich Krankheiten einfangen. Das hat Connor erwischt, der kurz nach unserer Ankunft in Taiwan sich einen grippalen Infekt zugezogen hat. Für zwei Tage lag er mehr oder minder danieder, danach ging es wieder aufwärts. Wohl hatte er Fieber, aber immerhin blieben die Covid-Tests einstreifig – es war wohl kein Covid. Während es ihm besser ging, ging es mir schlechter, und als ich schließlich wieder auf dem aufsteigenden Ast saß, hatte sich Qian angesteckt.

Als Ergebnis dieses Krankheitringelreins waren wir eine Woche geschwächt und gingen oft nur zu zweit durch die Städte. Was schade war, aber wir haben trotzdem Zeit miteinander verbracht und einiges gesehen.

Ein Abschnitt endet

Es ist Dezember. Downunder enden mit dem Kalenderjahre auch Schuljahre und Studienjahre.  Danach kommen Ferien, Weihnachten und Sommer.

Für meine Tochter gehen die Unijahre zu Ende. Sarah kann jetzt ihrem Lebenslauf ein Associate Degree in Professional Writing and Editing mit Distinction hinzufügen.

Das RMIT, the Royal Melbourne Institute of Technology, hatte eine Riesenveranstaltung für ca. 9000 Studenten, die ihr Studium erfolgreich abgeschlossen hatten, im Docklands Stadium organisiert.

Dieses Mal also kein Footy, sondern ein paar Reden und dann die Urkundenübergabe für die 9000, während ihre Angehörigen und Freunde in den Rängen saßen. Oft im “Staatskleid”, damit auch ihre Herkunft verratend. Neben weißen Gesichtern sahen wir viele asiatische, chinesische, indische, afrikanische…

Melbourne Cup Day – ein Tag frei für ein Pferderennen

Guten Morgen, guten Abend, guten Tag! Es ist Melbourne Cup Day.

Pict0009
Pict0009
« 8 of 10 »

Was ist das? Ein Tag frei für ein Pferderennen. Ein Tag frei. Ein Tag für Pferdewetten. Ein Tag für Sweeps.

Was sind Sweeps? Beim großen Rennen um drei laufen 24 Pferde, und man zieht eines aus einem Haufen Zetteln, und schmeißt einen nicht gar zu großen Geldbetrag in einen Topf. A Gold Coin z.B. – eine 2-Dollar-Münze.

2-Dollar-Münzen sind übrigens kleiner als die für einen Dollar.

Wenn dann 48 Dollar im Topf sind, kriegt der Sieger vielleicht 25, der Zweite 15 und der Dritte den Rest.

So ähnlich läuft in manchen Firmen Footy-Tipping. Das geht dann aber über ein halbes Jahr, Woche für Woche. Kleine Beträge und am Ende Gewinnausschüttung. In einer Firma habe ich mal eine Webseite dafür programmiert, eine Fingerübung für PHP und Symfony.

Man kann natürlich auch richtig wetten. Um viel Geld. Es gibt die Buchmacher auf dem Flemington Race Course, auf dem das Wettrennen stattfindet. Es gibt auch Webseiten, wo man das ganze Jahr auf was weiß ich wetten kann. Schneckenrennen in Simbabwe. Tennis in Tasmanien. Fußball auf Fiji.

Wer Fernsehen guckt, streamt oder was weiß ich, kennt das – wie alles, was Werbung braucht, weil es zu viel kostet und keiner soviel Geld dafür ausgeben muss, weswegen es dann Werbung braucht, dass man es denn doch tut. Halt Wetten, Autos oder Fast Food. Waffen werden hier in Australien zumindest nicht im Alltag verklickert – es ist nicht der einzige Vorteil, wenn man nicht in den USA lebt.

Das Pferderennen ist ein Tag draußen und being dressed up. Kleider, Anzüge, Krawatten, Hüte. Es ist Frühling, da ist das Wetter unbeständig. Es kann warm sein und die Sonne scheinen, es kann regnen und windig sein. Der Ausblick für heute: fast dreißig Grad und ca. Punkt drei, wenn das große Rennen startet, ein Gewitter. Angezogen wird für Sonnenschein – wenn’s Wetter nicht passt, wird gefroren.

Damit man den Tag übersteht, wird, wenn man zum Rennen geht, getrunken, und oft nicht wenig. Das betrifft Mann wie Frau, soweit ich das überblicke. Am Ende sieht das denn ab und an nicht mehr so schön aus, und die Stöckelschuhe trägt sie in der Hand.

Ich habe das 2003 mal fotografiert. Ich habe auch letzten Samstag jung und alt zum Derby Day gehen sehen, ein anderer Tag auf der Rennbahn in unserem Frühlingspferderennenfestival, es hat sich nicht viel geändert. Die abgebildeten Menschen sind alle zwanzig Jahre älter, klar.

Es ist übrigens kein Foto von Pferden dabei. Ich glaube, die sind auch nicht weiter wichtig.

Viel Spaß an alle, wobei auch immer.

Arbeit und Erkundung in Kuala Lumpur

Seit ein paar Tagen bin ich nun in Kuala Lumpur, der Hauptstadt von Malaysia.

Außerdem ist es der Hauptsitz der Firma, für die ich arbeite. Ich plante, hier mit meinen Kollegen ein paar Tage zusammen zu arbeiten, und ein Wochenende mich ein wenig auszuruhen, bevor ich mich auf den “Rest des Weges” nach Hause begebe.

Ich komme gerade nach vier Wochen aus Deutschland zurück. Dazu später etwas mehr.

Langsam aber sicher gewöhnt sich mein Körper an die hiesige Zeit, Deutschland sechs Stunden voraus, Australien gegenüber drei Stunden zurück. Morgens weckt mich zumeist der Ruf des Muezzin, der aus Lautsprechern erschallt und die Gläubigen vor dem Sonnenaufgang zum Gebete ruft. Danach wird es langsam hell und ich beginne meinen Tag.

Ich sitze in einer Hotelsuite, ziemlich luxuriös, und genieße das auch, den Umständen entsprechend.

Am Ende des ersten Tages hier schrieb ich dieses “Spontangedicht”:

Ein guter Tag in fremder Stadt
Die alles, was ich wollte, hat
Es ist warm und ich sehe viel grün
Das zu mögen, muss ich mich nicht bemühn

Die Vögel schimpfen vorm Schlafengehn
Als würden sie die Sonne nie wieder sehen
Die Autos fahren auf der linken Spur
Nach drei Wochen rechts erleichtert es nur

Mit mir bin ich wirklich nachsichtig
Manchmal mache ich nicht alles richtig
Ich verlaufe mich auf meinen Wegen
So manch Überraschung kommt nicht ungelegen

Ein Gasthaus für Touristen auf Reisen
Na gut ich muss mir nichts beweisen
Zum End Crème Brûlée und dazu ein Bier
Nichts authentisch, aber doch schmeckt’s mir

Allein lass ich mich dazu ganz gern verleiten
Es hilft anderes zu verarbeiten
Manchmal möchte ich alleine sein
Danach fühl ich mich besser, rein.

Ich war am Abend nach meinem ersten Arbeitstag hier “in die Stadt” gefahren und am Zentralen Markt ausgestiegen. Eigentlich war ich auf der Suche nach Chinatown, muss mich auf dem Weg aber etwas vertan haben. Ich landete an Schnellstraßen, die kaum Gehwege haben, und wo man schon genauer hingucken muss. Ich habe einen fehlenden Gullideckel, eine nur halbe Kabelschachtabdeckung gesehen, als Hans-Guck-in-die-Luft kann es dann schon mal unangenehm werden.

Die Stadt ist sehr autozentriert. Es gibt der Schnellstraßen viele, einige sind gebührenpflichtig, und trotzdem staut es sich. Die Kollegen aus meinem Team fahren, da sie etwas weiter draußen wohnen, wo keine Bahn fährt. Ich habe aber auch einen Kollegen gehört, der einfach nur Auto bevorzugt.

Im zentralen Bereich des Klang Valleys, des “Großen Kuala Lumpur”,   gibt es durchaus S-Bahnen, die schnell, sauber und zuverlässig zu sein scheinen, meinen Erlebnissen nach. Oft schweben sie auf Stelzen in der Höhe des vierten, fünften Stocks über dem Boden, darunter dann die Autos. Die Bahnhöfe überspannen die Straßen und wirken schon recht mächtig.

Kuala Lumpur ist eine recht junge Stadt. Die Wurzeln liegen im 19.Jahrhundert, als hier Zinn gefunden wurde. Deshalb gibt es eben keine Jahrhunderte zurückreichenden Gebäude, dazu muss man in Malaysia nach anderswo fahren.

In Kuala Lumpur und seiner Umgebung leben mehr als 9 Millionen Menschen, und es ist ein quirliger Mix aus Malays, zumeist Muslims, Chinesen und Indern. Malaysisch ist die Amtssprache, und in dieser Sprache findet auch der Schulunterricht statt. Es sind verschiedene chinesische Dialekte zu hören. Außerdem wird oft englisch gesprochen. Meine Kollegen habe ich zwischen Mandarin, Kantonesisch, Malay und Englisch wechseln hören, je nachdem, wer an dem Gespräch beteiligt war.

Während die muslimischen Frauen alle Kopftuch zu tragen scheinen und sich bis zu den Füßen bedecken, laufen die Männer aller Art als auch die Frauen chinesischer Abkunft recht freizügig herum. Da es ganzjährig warm ist, um die 30 Grad, heißt das oft nackte Arme und nackte Beine.

Was aber nicht heißt, dass die Musliminnen sehr traditionell gekleidet sind. Bunte Farben der Kopftücher und Kleider sind eben so häufig wie T-Shirts, z.B. mit Hard Rock Cafe Logo, und lange Hosen. Die Füße sind entweder in “Sandalenlatschen” oder aber in sehr hübschen Sandalen mit dünnen Riemen, und Nagellack wie Tätowierungen sind oft zu sehen.

Malaysia, einer der sogenannten “Tigerstaaten”, die sich seit dreißig Jahren weit entwickelt haben, ist auch ein Magnet für Bauarbeiter aus Bangladesh oder Kellnerinnen aus Indonesien, die zum Arbeiten organisiert angestellt werden. Die Männer aus Bangladesh leben oft in Gemeinschaftsunterkünften, sind unter Vetrag und werden von Baustelle zu Baustelle “weitergereicht”. Die Indonesierinnen haben es einfacher als andere, was die Sprache angeht. Nach Angaben meiner Kollegen ist das indonesisch Malay soweit ähnlich, dass eine Verständigung einfach ist.

Die Mittelschicht des Landes ist in in den letzten Jahrzehnten erheblich gewachsen. Dementsprechend gibt es große Einkaufszentren, in denen alles das zu haben ist, was mir auch “im Westen” bekannt ist. Im Apple Store geht es geschäftig zu, es gibt Markenkleidung, Billigeres, Spielunterhaltung fur die Kinder und einiges zu essen. Ich habe hier bis jetzt sowohl Laksa, die Nudelsuppe mit Kokosnussmilch, gegessen, einen Kaffee aus einer Espressomaschine getrunken, als auch westliches Essen vorgefunden.

Der Wohlstand der Mittelschicht ist aber auf wackligen Beinen unterwegs: Der Minimallohn liegt bei 1500 Ringgit pro Monat, was nicht viel ist, und wer arbeitslos wird, ist auf sich allein gestellt, eine staatliche Grundsicherung gibt es nicht.

 

An der Oberfläche gekratzt

Sich von Melbourne, an der Südküste Australiens gelegen, auf den Weg nach Norden zu begeben, heißt, die tyrany of distance, die Tyrannei der Entfernung zu erfahren. Ich habe mich auf den schnellsten aller Wege, das Fliegen, aufgemacht, doch auch nach drei Stunden fliege ich immer noch durch mein Heimatland, meinen Heimatkontinent. Bei Aufstieg sah ich vertrautes, wie den Organ Pipe National Park, die Gesteinsformationen in Gestalt von Orgelpfeifen am Nordrand der Stadt, die welligen Hügel nordöstlich der Stadt, zu denen man in einer Stunde fährt. Ein paar Minuten später sehe ich einen rosafarbenen See unter mir, das ist halbe Strecke nach Adelaide, der im Nordosten gelegenen Hauptstadt des Nachbarstaates South Australia. Zur Seite sehe ich die Rolls-Royce-Triebwerke, die unser gewaltiges Luftschiff mit mehreren hundert Menschen nach vorn schieben, alle vier Sekunden einen Kilometer. Die Bergkette der Flinders Range erscheint, die zu Stein gewordene Geschichte der Rainbow Serpent, der   Regenbogenschlange, aus der Dream Time, der Zeit, in der dieses Land geschaffen und gestaltet wurde. Stunde um Stunde fliege ich über das Innere des Landes, welches wir Einwanderer kaum erfahren. Wohl lief ich mit Gleichgesinnten ein paar zehn Kilometer auf dem Larapinta-Pfad, wohl fuhr ich als junger Backpacker und später mit meinem Sohn Richtung Norden, nach Darwin. Das dauerte zwei Wochen, doch auch hier waren wir immer wieder ans Gängelband von Straßen  gebunden, die uns nach Coober Pedy und zum Uluru brachten. Das weite Land dazwischen ist immer noch das Land der First Nations People, Nachfahren von Menschen, die vor mindestens 65 000 Jahren einwanderten. Sie kennen die Pfade wesentlich besser als wir, die wasser- und lebenspendenden Billabongs, Wasserlöcher im trockenen Land, verbunden durch trockene Rinnen, Flußbette, die nur selten Wasser führen.

Wir behaupten, die Herrscher über dieses Land zu sein. Das ist ganz genauso töricht wie der Gedanke, den Planeten zu beherrschen. Die tiefste Bohrung ist etwas tiefer als 10 km, in etwa vergleichbar, der tiefsten Meeresstelle im Pazifik, die Menschen mit einem U-Boot erreichten. Doch ist das nur ein Kratzer in der Erdenhaut, ein Promille auf dem Weg zum Mittelpunkt der Erde. Wohl haben diesen die Abenteuer von Jules Verne nur im Buch erreicht, aber auch der moderne Mensch hat nur über Geologie, Physik und Mathematik über das Innere der Erde

Alle anderen kolonialen Gründe beiseite, allein schon die Tatsache, wie fremd uns das Innere des Landes ist, sollte uns ermöglichen, sich eine Versammlung von Ureinwohnern in der Hauptstadt des Bundes, in Canberra, vorzustellen, die ihr Wissen einbringt, um Regierung und Parlament in Dingen, die First Nations People selbst betrifft.

Wochenend im Winterland

Ein Winternachmittag in St.Kilda, unserem Zuhause seit ein paar Monaten, seit letztem Jahr. Meine Füße wärmen sich langsam wieder auf. Wohl ist es gerade draußen nicht gerade supergemütlich, es nieselt immer mal wieder, feiner Sprühregen, und das Thermometer klettert gerade so über die 10 Grad. Für die kalten Füße ist aber die Nässe verantwortlich, die das Gras durchweicht, durch welches wir am Morgen liefen, um unsere Pfeile aus den Zielscheiben zu ziehen.

Trotzdem hat das Bogenschießen Spaß gemacht. Wie es so schön heißt: Es gibt kein schlechtes Wetter, es gibt nur unpassende Kleidung. In meinem Fall ist es Zeit für Gummistiefel. Ansonsten war es wie üblich: allerlei Geschnatter über Gott und die Welt mit meinen vertrauten Nachbarn an der Schusslinie, Kaffeepause und Pfeile, die ab und an sogar dahin flogen, wo sie hingehören: in die Mitte, ins Gold.

Während im Radio PBS Salif Keita spielt, Africa, das Lied, welches jeden Sonntag Flight 106.7, zwei Stunden afrikanischer Musik, beginnt, denke ich an die vergangenen Tage zurück.

Gestern gingen Q und ich gen Osten die Carlisle Street entlang, nach Caulfield. Samstag, am Sabbath, sieht man viele Juden auf der Straße, die Männer und Jungen mit ihrer Kippa, die Frauen und Mädchen in Kleidern. Unsere Wohngegend ist voller Einwander:innen aus Europa, die entweder vor dem Krieg und dem Holocaust bis nach Melbourne flohen oder später auf der Suche nach Wohlstand und Glück hier anlandeten. Das Cafe Uffizi, in das wir für einen Cappuccino einkehrten, erschien mir mit seinem italienischen Chef und seinen Gästen wie ein Stück nach Melbourne verstreutes Europa.

Im Caulfield Park begegnete uns ein sehr merkwürdiger Sport, Lacrosse genannt, wie mir einer der Zuschauer erklärte. Die Spieler warfen sich mit mannshohen Keschern, mit denen man sonst wohl Fische aus dem Wasser hätte holen können, den Ball zu und versuchten ihn in ein kleines Tor zu werfen., Das Tor hatte in etwa Eishockeytorgröße, die Spieler trugen Helme und Padding. Sehr kanadisch? Wie ich später herausfand, wurde das Spiel im vorkolumbianischen Nordamerika gespielt. Für die dortigen Ureinwohner:innen war es ein Ritual, an dem Hunderte von Leuten teilnahmen und das bis zu drei Tagen dauern konnte. Heute ist es wohl auf uns eher vertraute Maße “geschrumpft”. Ich habe keine Ahnung, wie das Spiel nach Australien kam, es war eine Überraschung für mich.

Später machten wir uns auf den Weg in die Melbourner Innenstadt, auf den Weg in eine Galerie. Unterwegs kamen wir am Recital Centre vorbei, vor der hunderte Kinderwagen standen. Warum? Die Wiggles, eine Band für Kinder, traten im Centre auf. Ach so.

Ein etwas anderes Konzert besuchten Q und ich eine Woche zuvor. S ist Sängerin, Sopran, im Studentenchor des RMIT. Sie veranstalteten ein Pride-Konzert, einen Abend die queer community zelebrierend. Die Musik ging von hier und jetzt zurück in die Vergangenheit, von Mika über Freddie Mercury zu Tschaikowski und Dominque Phinot ins 16.Jahrhundert nach Frankreich, wo der Komponist wegen Homosexualität hingerichtet wurde. Seine Musik hat die Zeit überlebt und gehörte für mich zu den schönsten Stücken des Abends.

Zurück zum Samstagabend in der Innenstadt: Wir gingen ins Buxton Contemporary, eine Ausstellung namens Nightshifts, Nachtschichten, der Ankündigung nach eine Schau, die sich mit den ruhigen Momenten, der schöpferischen Einsamkeit des Künstlers, der Künstlerin,  beschäftigt.

Ein großer dunkler Raum war Lisa Sammuts Doppelwerk Full Circle und How the earth will approach you, gewidmet. Inspiriert wurde sie durch die Erkenntnis, dass der Halleysche Komet sich zweimal in ihrem Leben der Erde nähern wird. Mit der Installation denkt sie über das Verhältnis kosmischer Zeit und menschlicher Lebensspanne nach. An der Wand war eine Projektion runder, eiförmiger Körper, “Himmelskörper”, zu sehen, im Raum hingen eiförmige große Rahmen, in die Glaskugeln und Spiegel eingearbeitet wurden, in denen sich die Projektion bricht und spiegelt.

Weiter zu sehen war eine Videoinstallation von Vicki Couzens, mit Musik und Gesang. Die in Warnambool geborene Ureinwohnerin projizierte Landschaft und menschliche Werke sowie eine junge Frau in traditioneller Bemalung (sie selbst?) tanzend und singend auf den Boden und die Wände. Landschaft ist, modernes Menschenwerk ist, die Künstlerin ist. Über die letzten mehr als 200 Jahre schwierige Koexistenz. Vor hundert Jahren nahmen die hier Herrschenden an, dass die Ureinwohnerin aus diesem Land verschwinden wird.

Constanze Zikos’ Werk darf in meiner Erzählung nicht fehlen: Ein Bild mit Bogenschützen!

Herbstsamstag auf der Chapel Street

Wir wohnen jetzt nahe an der Chapel Street, einer Hauptstraße im Inneren Osten Melbournes. Wer möchte, kann sie in ganzer Länge von Süd (wo wir wohnen) nach Nord mit der Tram 78, mit der Straßenbahn erfahren. In der Mitte überquert sie den Yarra River und wird in Richmond die Church Street und endet im Norden Richmonds an der Victoria Street, dem Little Saigon des Melbourner Ostens.

Wir haben uns auf dem Spaziergang aber nur die Südhälfte angesehen. Ein paar hundert Meter südlich endet die Straße an der Brighton Road, dem Nepean Highway, von mir familien-intern vor Jahrzehnten Napalm Highway getauft, eine im ganzen achtspurige Ausfallstraße Richtung Südosten. Wenn dieser bei uns vorbeikommt, wird er mit 60 befahren und in der Mitte sind Straßenbahngleise.

Aber zurück zur Chapel Street in  St.Kilda. Sie kreuzt als nächstes die Carlisle Street, die Haupteinkaufsstraße unserer Wohngegend. Heute morgen waren wir dort beim Kaffeeroaster und in der Bäckerei, Kaffeebohnen aus Indien, ein süßes Challahbrot und Bayrisches Roggenbrot zu kaufen.

Die Chapel Street führt an der lokalen Polizei – manchmal macht es deshalb auf der Chapel tatütata –  und an unserer Nebenstraße vorbei. Sie wird mit 40 befahren. Eine Geschwindigkeitsmessung zur Ermahnung findet sich am Straßenrand, wer weniger als 40 km/h fährt, bekommt die Zahl in Grün und mit lächelndem Smiley angezeigt. Für mich als Radler kein Problem, ich sehe immer grün. Bis hin zur Dandenong Road, einer anderen Ausfallstraße Melbournes, ist die Straße von Einzelhäusern und dreistöckigen Appartmenthäusern, zumeist aus den 60ern, umsäumt. Es gibt Bäume und Frontgartengrün und grüne Nebenstraßen.

Eine stattliche Privatschule, die anglikanische St.Michael Grammar School, gegründet 1895, befindet sich auf beiden Seiten der Chapel Street. Auf der Ostseite gehört eine Kirche dazu.

An der Ecke zur Dandenong Road findet sich das Astor Theatre, ein 1936 gebautes Kino. Innen gibt es einen großen Saal und  Projektoren für klassischen Film, 35 und 70 mm. Hier werden viele Klassiker gezeigt. Es gibt aber auch moderne 4k-Projektion. Viele lokale Filmfestivals, wie das französische letzten Monat, finden hier ebenfalls ein Zuhause.

Nachdem wir die Dandenong Road überquert haben, sind wir in Windsor. Dieser Teil der Chapel Street ist Party Town. Seit Jahrzehnten wird hier gegessen und getrunken und getanzt. Nachtklubs sind hier zuhause, auch queer nightlife gehört seit langem dazu. Die Chapel Street und ihr Publikum wird quirky. Wir finden Pubs und Gaststätten aller Art, wie z.B. ein Thairestaurant mit einem Tuk Tuk im Schaufenster. Es ist ein Treffpunkt für junge Leute, hauptsächlich.

Weiter spazierend, kommen wir an stattlichen Gebäuden aus dem späten 19. und frühen 20.Jahrhundert vorbei, darunter das Rathaus von Prahran sowie Pran Central, gebaut als Kaufhaus im Jahre 1915. Dahinter, ein Roboter von Phlegm, einem Straßenzeichner aus Großbritannien. Es gibt hier viele Beispiele von Street Art, großflächigen Gebäudebemalungen.

Wenn man sich der Toorak Road nähert, die Jam Factory mit seinem Kino hinter sich läßt, ist man in der “gehobenen Mode” angekommen. Hier befinden sich Kleiderläden und Schmuckgeschäfte, die ihre Ausstellungsstücke im Schaufenster nicht mit Preisschildern versehen.

Wir gehen nicht zum Fluß, zur Brücke nach Richmond. Unser Spaziergang endet an der Toorak Road, in die wir einschwenken, um zum Bahnhof von South Yarra zu kommen. Wir kommen am Pacific Barbeque vorbei, einem kantonesischen Restaurant, welches nach eines Kollegen Meinung die beste roasted duck, gebratene Ente, anbietet. Bei dieser ist es das Wichtigste, daß die Ente am Vortag mariniert wurde, damit der Geschmack in das Fleisch einzieht. Wir beschließen spontan eine halbe Ente nach Hause mitzunehmen (und sind später mit ihr sehr zufrieden).

Wir beenden unsere Nachmittagstour an der South Yarra Station und nehmen die Sandrinham Line zurück nach Hause, zur Balaclava Station an der erwähnten Carlisle Street. Der Bahnsteig ist oberhalb der Straße und der meisten Gebäude, so dass wir einen weiten Sonnenuntergangsblick haben. Es wird kühl an diesem Herbstabend.

Ostern im High Country

Einer doch schon recht alten Tradition folgend, trafen wir uns mit E&S zu Ostern. Das hat zwar nicht jedes Jahr geklappt, manchmal kommt uns das Leben “dazwischen”, wir versuchen es aber. Dieses Jahr sollte es ursprünglich ein Gegenbesuch bei uns in Melbourne werden, dann mussten wir aber improvisieren und trafen uns “in der Mitte”, nahe der Grenze zwischen New South Wales und Victoria, den Bundesländern mit Sydney bzw. Melbourne als Hauptstadt. Danke nach Norden, dass Ihr trotz der Umstände diese Reise auf Euch genommen habt!

Die Landesgrenze ist der Murray River, Australiens größter Fluss. Etwas östlich von Albury/Wodonga, der “Doppelstadt” an der Grenze (Albury in NSW, Wodonga in Victoria) befindet sich der Lake Hume, ein durch Eindeichung entstandenes Reservoir. Der Damm wurde zwischen 1918 und 1936 gebaut und dient vor allem der Bereitstellung von Wasser für die Landwirtschaft und Städte am Fluss, aber auch Flutverhinderung und Stromgewinnung. In den 50ern wurde der Damm erweitert, dafür musste sogar ein Dorf, Tallangatta, weichen. Noch heute kann man die blattlosen Kronen alter Bäume aus dem Wasser ragen sehen.

Tallangatta war “the town that moved”, der Ort, der umzog, 8km weiter westwärts. Die aus Holz gebauten weatherboard houses zogen tatsächlich um, wie das Foto, was wir unterwegs auf einer Schautafel fanden, zeigt:

Hier, in Tallangatta, schlugen wir unsere Zelte auf, auf den Showgrounds. Die Showgrounds sind das Gelände, auf dem jedes Jahr eine Landwirtschaftsausstellung stattfindet. Das ist ein Treffen, die der Schaustellung von Tieren, wie Kühen, Schafen, Hühnern und Pferden, und Anbau dienen, aber auch Jahrmarkt und Treffen von alt und jung sind. Zu Ostern war davon nichts zu sehen, die leeren Gehege und Käfige ließen einiges erahnen. Ganzjährig ist das Gelände als Gemeindezentrum und für Sport genutzt. Tallangatta hat, wie viele Städtchen hier, einen Footy (Australian Rules Football)- und Netballklub. Traditional spielen die Jungs und Männer Footy, die Mädchen und Frauen Netball.

Auf dem Gelände gibt es Toiletten und Duschen. Diese werden campenden Besuchern zur Verfügung gestellt, gegen einen Obolus von $20 pro Tag und Gruppe. Dadurch kommt auch etwas Leben und Geld in die Stadt. Wir haben den Samstagabend im Pub, in der Kneipe von Tallangatta verbracht. Hier saßen Großfamilien zusammen, Paare und Freunde. Eine Frau mit Donnerstimme rief zur Verlosung auf. Es gab Fisch, Krebse und Fleisch zu gewinnen. Das Ganze hatte ziemlichen DDR-Charme, mit laminierten quadratischen Tischen und recht einfach gehaltenem Ambiente. Das machten die Einheimischen mit lebhaftem Gewusel wett.

Wir kamen am Karfreitag in den Ort, ebenso wie E&S. Die Wettervorhersage war nass und kalt. die Regenbögen über der saftig-grünen hügeligen Landschaft eindrucksvoll. Den ersten Abend haben wir weintrinkend im “Partyzelt” zugebracht, da es regnete. Für den Rest des Osterwochenende war uns der Regengott gnädig, es blieb ziemlich durchgängig trocken, auch wenn es nicht sehr warm – so um die 15 Grad am Tage – und etwas windig war. Das Zelt blieb trotzdem praktisch, wir haben darin gekocht.

E&S waren mit ihrem neuen elektrischen Auto, einem BYD aus China, angereist. Wir haben unsere Kurzfahrten damit unternommen. S ist offensichtlich begeistert. Sein Strom kommt zumeist von Solarzellen auf dem Dach zuhause, somit wird fürs Fahren kaum Fossiles verbrannt. Die “Tankkosten” sind erheblich niedriger als für uns, wobei der Anschaffungspreis des Autos nach wie vor hoch ist. Da sie erhebliche Entfernungen pendelnderweise im Alltag bewältigen, wird sich die Anschaffung für sie eher rentieren als für uns in der Innenstadt lebenden, im Alltag mit dem Fahrrad unterwegsseienden Sonntagsfahrern.

Tallangatta liegt an einer stillgelegten Bahnstrecke, die inzwischen ein Fahrradweg geworden ist. Wir sind auf ihm ein Stückchen gewandert, u.a. auf einer Brücke, die über das Reservoir führt. Am Montag traten wir schließlich die Heimreise an. Es war ein schönes Ostern für uns.

Zum Abschluss noch ein paar Fotos von der Landschaft, Tallangatta von oben, und von einer kleinen Gruppe von Galahs, die hier viel zu sehen sind. Ich kann dem Reisenden auf dem Hume Highway, zwischen Melbourne und Sydney, Tallangatta empfehlen. Tallangatta liegt etwa in der Mitte, vier, fünf Stunden von beiden Großstädten entfernt.

Ab in die Wüste

Letztes Wochenende waren wir, Q und ich, auf dem Weg in die “Wüste”, die Little Desert. Wie genau das aussieht, wußten wir beide nicht.

Wir setzten uns ins Auto und fuhren nach Nordwesten, wo fast 1000 km entfernt Adelaide, die Hauptstadt von South Australia liegt. Hier ist öfter mal verkehrte Welt, nach Norden zu fahren, um in Südaustralien anzukommen ist eine Seltsamkeit.

In mehrfacher Hinsicht ist der Landstrich dem norddeutschen Auge vertraut. Die Grampians liegen auf der linken Seite des Highways, eine Gebirgsketteninsel im flachen Lande, welches sich danach endlos auszudehnen scheint. Die Getreidefelder sind abgeerntet, gelbe Stoppel, manchmal bereits umgepflügte braune Erde. Durch die Landschaft fahren riesengroße LKWs mit der Aufschrift “Fertiliser” – mit Dünger. Ab und an knorrige Bäume säumen die Straße. Immer wieder sind Getreidesilos zu sehen, manche von ihnen wurden mit Malereien verziert. N’Hill hat nach örtlicher Auskunft das größte Zementsilo der südlichen Hemisphere.

Wasser wird seltener. Die Wimmera fließt nach Norden. Sie ist ein Fluß ohne klar definierte Mündung. Sie fließt durch einige Seen und füllt diese in Zeiten mit viel Regen, ansonsten sind diese oft trocken. Dabei verausgabt sie sich und versickert auf dem Weg zum Murray River, dem größten Fluß Australiens.

Wobei das mit dem Verschwinden bei solchen Flüssen so seine Sache ist. Oft geht es unterirdisch weiter, feuchtet die Erde an und tritt ab und an auch wieder hervor. Das geht recht langsam vor sich. Europäische Siedler versuchten oft, solche Flüsse zu kanalisieren. Das funktioniert aber nicht wirklich gut, wenn es selten, aber dann recht kräftig regnet. In solchen Fällen wird dem Wasser die Möglichkeit genommen, sich langsam zu verbreiten und den Durst der Tiere und Pflanzen zu löschen. Stattdessen rauscht das Wasser im Kanalbecken schnell ans Meer und geht dem Lande verloren.

Wir haben die Wimmera bei Dimboola fließen sehen und waren an den zwei Seen, die nördlich der Little Desert von der Wimmera gefüllt werden. Im nördlichen von beiden, dem Lake Albacutya, stellten wir das Auto an der West Beach, dem Weststrand,, ab. Von Wasser war zunächst keine Spur. Die “Seeoberfläche” war ausgetrocknet, Sträucher und kleinere Bäumchen hielten sich wacker. Von oben, in der Ferne, konnten wir dann doch noch eine Wasserfläche erspähen, in der Mitte der ein paar Kilometer großen Senke.

Weiter südlich, am Lake Hindmarsh, war es anders. Der See hatte sich zu 30 Prozent gefüllt, haben mir Einheimische erzählt. Ich nahm an, dass wir durch Jeparit an den See gelangen wurden. Dr.Google hatte andere Pläne für uns, da wir vom Norden kamen. Für wohl zwanzig Kilometer ging es Feldwege entlang, und mehr als einmal erzählte ich unserem betagten Stadtauto, dass es in Wirklichkeit einen Allradantrieb hat. Oft waren die Fahrrinnen tief eingefahren und in der Mitte ragte hartes Gestrüpp nach oben und bürstete das Auto von unten. Dort lang zu fahren war ein Spaß mit Nervenkitzel. Der “Straßenname”, Lake Road, Seestraße, war vielversprechend, das wars aber auch. Schließlich hielten wir das Auto an und wanderten auf die baum- und buschbestandene Hügelkette hinauf. Tatsächlich sahen wir dahinter Wasser in der Sonne glitzern. Ein paar mannshohe Kängerus hoppelten vor uns davon, es zwitscherte hier und da, ein Schwarm von rosafarbenen Galahs zog vorbei. Wir liefen bis an das Wasser heran. Da der See nicht voll war, ging es über den morastigen Boden, bis wir aufgaben. Einige der Pflanzen kennen wir, da sie auch nahe unserer Strände von Melbourne wachsen.

 

Ein weiteres Mal ging es für uns an den Seestrand am Pink Lake von Dimboola. Hier füllt das Wasser eine salzige Senke. Beim Wanden knirschen die Salzkristalle unter unseren Füßen, der See selbst liegt rosa vor uns. Auch hier ist Vogelgezwitscher zu hören.

Unser Zuhause war für diese Tage die Little Desert Natur Lodge. Hier trafen wir drei Frauen, die sich der Beobachtung von Vögeln hingaben, als auch dem Fotografieren. Sie hatten gewaltig aussehende Kameras dabei, bestückt mit Teleobjektiven von 400 mm und mehr. Wir hatten weder derartiges  Equipment noch Ahnung, wie man damit umgeht, deshalb sind meine Fotos mehr oder minder vogelfrei.

Mit einer Ausnahme: George, das Emu, dem die Lodge gehört. Der metergroße Laufvogel lief auf dem Grundstück herum und genas das grüne Gras. Mick zufolge ist er der Müllvernichter des Hauses und isst so ziemlich alles, was er so findet, außer Tomaten, die er nicht mag.

Vicky und Mick sind die neuen Betreiber der Lodge. Zuvor hatten sie eine Geflügelfarm zum Eierlegen. Wir waren ihre ersten Gäste , bevor sich die Lodge mit weiteren füllte. Als wir abfuhren, war z.B. eine Gruppe von Landwirtschaftsstudenten aus Geelong dort. Vicky und Mick waren sehr nett. Mick ist aus Yorkshire, dem Norden Englands. Seine Mischung aus Dialekt und Nuscheln war etwas schwierig zu verstehen, aber irgendwie verstanden wir ihn. Dass selbst seine Ehefrau meint, ab und an würde sie nur lächeln und nicken, wenn sie nichts versteht, beruhigte mich ein wenig. Es lag also nicht nur an meinen Ohren.

Die “Little Desert” ist keine Sandwüste wie die Sahara, sondern eine recht trockene Landschaft, die mit niedrigen Büschen und Bäumchen bestanden ist. Da der Boden sehr nährstoffarm ist, bleiben die Pflanzen nur Zwerge. So wird die Banksia, die anderswo bis zu 6m hoch wird, hier nur hüfthoch. Ich finde das Wandern durch diese Landschaft sehr schön. Für manche ist es wahrscheinlich zu unspektakulär. Ich finde solche Wanderungen abwechslingsreich. Je nach Wasser- und Bodenbeschaffenheit wechselt der Wuchs, es gibt mindestens 50 Variationen des Wortes “grün” und außerdem  gibt es immer mal wieder Vögelchen zu beobachten. Das kann man auch an den Wasserlöchern an der Lodge tun. Manchmal saß ich nur da und guckte mir das Hüpfen und Federspreizen eines kleinen Blue Wrens an. (Hier ein Beispiel: https://www.fncr.org.au/wildlife/birds/blue-wren/ )

Wir fuhren zu einem kleinen Ort namens Rainbow. Ob es was mit der gleichnamigen Kleinstadt einer Ferienserie namens “Bed of Roses” zu tun hat? Die Antwort: Nein. Dafür haben wir die erste Kneipe des Landes gesehen, die nach unserem neuen König Karl/Charles III. benannt ist.

Ansonsten haben wir noch Jeparit besucht, der Geburtsort Robert Menzies.

Hier trafen wir Simone, die, wie ihr Ehemann, aus Stralsund stammt und kurz nach der Wiedervereinigung nach Australien auswanderte. Ihr Ehemann schlief im Scooter, während wir mit Simone redeten. Er hatte vor kurzem einen Schlaganfall. Die beiden waren aufs Land gezogen, da sie Angst vor mehr Covid-Ausgangssperren in Melbourne hatten. Sie ist nicht geimpft. Covid hat doch erhebliche Spuren in ihrem Leben hinterlassen, auch wenn sie sich nicht infiziert hat, wie es scheint. Wir redeten auch über einen Flug nach Deutschland mit Southern China, den sie zu zweit mit Tochter gebucht hatten. In Guangzhou gab es Huddeleien mit dem Weiterflug, der sie Nerven gekostet hat. Das kann ich mir vorstellen, so ganz einfach ist das mit der Völkerverständigung auf chinesischen Flughäfen nicht. Mit dem Englisch ist das so eine Sache, und mit Autoritäten eine andere..

Das kleine Dorf Jeparit, derzeit mit etwas mehr als 600 Einwohnern, hat, wie so viele Orte des Landes ein Mahnmal für die gefallenen Soldaten des Ersten Weltkrieges, oft später erweitert für die Soldaten anderer Kriege, an denen Australien beteiligt war. Sie sind in der Regel eher gesetzte Erinnerungsstätten. Wohl haben von John Howard an in den letzten zwei Jahrzehnten Politiker versucht, ein wenig Patriotismus aus der Bevölkerung heraus zu pressen, so recht gelungen ist es ihnen aber nicht. Australier sind keine Heldenverehrer.

Etwas verwirrt hat mich die Ergänzung: Korea 1939 – Vietnam 1945. ? Ich vermute, das muss man anders lesen: 2.Weltkrieg 1939-1945, Koreakrieg und Vietnamkrieg.

Robert Menzies, ein konservativer Politiker, war von 1939 bis 1941 als auch von 1949 bis 1966 Ministerpräsident Australiens. Seine Eltern waren nach Jeparit gezogen, um einen general store, den Gemischtwarenladen des Ortes zu übernehmen.

Ich habe vor kurzem eine Episode gelesen, die mit ihm verbunden ist. In den Dreißigern war er Verkehrsminister des Bundeslands und daher “Herrscher” über die Bahn. Reg Ansett etablierte einen Frachtverkehr mit LKWs im Nordwesten des Landes, wo wir gerade waren, zwischen Horsham und Ballarat. Menzies reagierte gegen den ungewollten Wettbewerb für die Bahn mit einem Verbot privater Fuhrunternehmen. Reg Anzett reagierte, in dem er eine Fluglinie gründete. Flugunternehmen unterstanden der Bundesregierung, Menzies konnte dagegen nichts ausrichten.

Zunächst waren Passagierflüge untersagt. Auch dagegen fand Reg Anzett eine Umgehung: Er deklarierte die Flugzeuge als fliegende Obstläden. Für etwas mehr als 2 Pfund konnte man an Bord und im Flugzeug Obst kaufen. Nebenbei kam man so von Stadt zu Stadt.

Dieses “Kein Bergbau”-Schild konnte ich zunächst nicht einordnen. Wie es aussieht, gibt es Interesse am Sandabbau von Zirconium. Mehr kann ich dazu aber nicht sagen.