Tasmanien – Auf dem Weg in die Wildnis

Tasmanien ist praktisch zweigeteilt durch Berge und Wetter. Im Westen treffen die Winde auf Berge und Regenwald, und es regnet erheblich, 3 Meter Niederschlag im Jahr sind nicht unüblich. Im Osten kommt hingegen von all dem Regen nicht viel an, und es ist ein trockenes Land.

Wir wollen dieses Jahr ein wenig mehr vom Westen sehen, von feuchten Regenwäldern und Bergen.

Die Wandzeichnungen von Sheffield – und die vertane Chance

Unser erster Stop auf unserer Tagestour zum neuen temporären Zuhause ist Sheffield, eine Kleinstadt, die durch nichts auffiel und daher von Touristen zumeist ignoriert wurde. Einige der Einheimischen dachten daram, daß zu ändern und luden Künstlerinnen und Künstler ein, um die Häuser mit großflächigen Malereien zu verschönern.

Eines erzählt die Geschichte von lokalen Geschäftsinhabern, Jesse und Nellie Slater, die 1926 von einem Freund gebeten wurden, in seine Idee zu investieren, einen Selbstbedienungsladen, in dem kein Artikel mehr als zwei Pund und einen Sechser kosten sollten. Sie lehnten ab.

Der Freund war Mr.Coles von Wilmot. Heute sind Coles und Woolworth die beiden australienweit dominaten Supermarktketten.

Sheffield hat bis heute einen Laden der Slater-Familie.

Das Wetter von Mole Creek

kündigte sich am Abend unserer Ankunft mit einem Regenbogen und einem spektakulär gelben Sonnenuntergang an. Des Nachts weckten uns heftige Sturmböen, der Zeitung nach bis zu 100km/h stark. Dank einer Nadelbaumreihe, die uns vom Westen her schützte, wurde unser Zelt zwar kräftig durchgeschüttelt, aber nicht umgeweht. Andere waren nicht so glücklich, ein Zelt fiel zusammen, nachdem eine Zeltstange gebrochen war.

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Nicht auf den Fotos ist der Nachthimmel, der gegen Morgen wolkenlos und sternenklar war. Die Sterne strahlten, die Milchstraße zog sich über mir hin, und der Morgenstern, die Venus, schien so hell, daß ich mich vergewisserte, daß ich den Planeten nicht mit einer Straßenlaterne verwechselte. Davon gab es aber keine. Der Zeltplatz ist weit weg von größeren Siedlungen, und selbst vom Orte Mole Creek, der Campingplatz ist ca. 4km außerhab des Ortes.

Die Mauern von Jerusalem

Mit C. zusammen machte ich mich auf den Weg zu den Mauern von Jerusalem. Walls of Jerusalems – so heißt eine Felsengegend, die jemanden an die Stadt Jerusalem erinnerte. Wer das war, kann ich nicht sagen. Es gibt das Tor von Damaskus, das Herods-Tor, die Klagemauer, den 1509 Meter hohen König-Daid-Gipfel. Wir erreichten nur die Salomons Juwelen und sagen die Felsen der Mauern nur von weitem.

U.a., da wir schon vor dem Parkplatz das Auto verließen – die unbefestigte Straße schien mir für unser Stadtauto zu steil und die  Steine zu spitz zu sein, ich wollte nichts riskieren. Als wir die Straße heraufwanderten, überholte uns eine Familie, die uns dann am Parkplatz ihren platten Reifen zeigte. So ganz unberechtigt schien meine Sorge doch nicht zu sein.

Die ersten Kilometer ging es über Geröllpfade stark bergauf, 600 Meter Höhenunterschied waren zu bewältigen. Wir sahen ein Echidna, den australischen “Igel”. Oben gab es ein Hochmoor, Blumen, und um uns herum Berge. Wir waren sieben Stunden unterwegs, einen schönen Tag in der Natur.

 

Tasmanien – Mehr vom Meer

Strandspaziergang im Norden: Bakers Beach

In Devonport verbrachten wir einen Tag im Ort, sahen die Spirit of Tasmania, mit der wir gekommen waren, am Hafen liegen, gingen an die Mündung des Mersey Rivers und hatten einen wunderschönen Sonnenuntergang.

Den Tag darauf wanderten wir ca. 20km ostwärts entlang Bakers Beach, über den Klippen hinter dem und am Strand. Das “Kängeruh” auf dem ersten Bild ist ein Tasmanisches Pademelon. Auch wanderen wir zu einem See im Hinterland. Am Meer hatten wir eine ganze Bucht für uns, und ich war baden. 18 Grad, okay für einen an der Ostsee Aufgewachsenen. Überhaupt erinnerte mich vieles an die Ostsee.

Auf dem Rückweg sahen wir Horden von kleinn Krebsen, baby mud crabs vor der Flut den Strand hinaufwandern, sich bei Gefahr sich totstellen und wenn Zeit genug ist, in den Strand vergraben. Ein Festessen für Strandläufer, denen einige Krebse nicht entkamen.

Am Abend waren wir dann reif für Steak und ich für zwei Elefanten (Biere) aus Dänemark, im Dannebrog. Ein Däne hat sich vor vierzig Jahren hier niedergelassen. So fühlte ich mich dieses Mal ein wenig anders zu Hause.

Tasmanien – Eine Sommerreise

.. mit Worten von First Dog On The Moon im Ohr. Der Cartoonist für The Guardians Australien-Webseite, zog vor einiger Zeit nach Tasmanien. Seine Berichte über das Leben auf Australiens südlichem Inselstaat enden gewöhnlich mit “Tasmanien ist schrecklich – komm bloß nicht hierher”.

Anreise

Neujahrsmorgen. Obwohl sehr früh, bin ich halbwach als der Wecker klingelt. 6 Uhr. Frühstück, dann die letzten Dinge verpacken, das Auto ist schon seit gestern voll. Wir waren bei E&M und deren Familie und Freunde aus Deutschland sowie einem Nachbarn, dessen Sohn mit C. in die gleiche Schule geht. Um elf verließen wir die Gartenparty, Q. war müde. Fernseher, die ABC überträgt aus Sydney. Die letzten Takte eines Rockkonzerts an der Harbour Bridge, Charlie Pickering im schwarzen Anzug, mit Fliege, dann Feuerwerk an der Harbour Bridge, über Jackson Harbour. Tonnenweise Pyrotechnik Millionen wert, damit könnte man die Obdachlosen ein ganzes Jahr versorgen, nehme ich an. Wir gehen ins Bett.

Das Frühstück etwas eigenwillig, wer hat schon Kohlroulade am Morgen, aber das ist, was wir übrighaben und was weg muß. Die Katze bekommt ihren Napf draußen gezeigt, ein Nachbar wird sich um sie kümmern, als auch um das Gemüse, das Q. gepflanzt hat. Um halb acht sind wir bereit zur kurzen Fahrt zum Station Pier. Die Spirit of Tasmania liegt schon bereit, Meter um Meter, fast eine Stunde lang, schleichen wir uns an die Fähre heran. Die letzten Bananen werden gegessen, die Äpfel weggeworfen, die Quarantäne erlaubt es uns nicht, sie mit auf die Insel zu bringen. Fruchtfliegen sind dort immer noch rar, und das soll auch so bleiben. Wir dachten, wir könnten sie noch auf dem Schiff essen, wollten uns dann aber besser keinen Ärger einhandeln.

Nach zwei Stunden ist die Fähre von Rostock aus in Gedser, im Nachbarland, hier reicht die Zeit gerade mal dazu, die Port Phillip Bay zu verlassen. Wir sehen die Fähre, die an der Ozeanmündung von einer Halbinsel zur anderen fährt, von Queenscliff nach Sorrento, und den Leuchtturm von Point Lonsdale. Ein wenig Geplauder mit einem Paar aus Brighton, sie ist gebürtige Engländerin aus Kent. Das Thema Brexit verwefen wir nach drei Sätzen, sie findet das nur verrückt. Wir reden über alte Häuser aus Ziegeln und wer sie gebaut hat. Ihres war eines von benachbarten gleichartigen, der Erstbesitzer war der Bauunternehmer für die Siedlung. Unseres ist ab 1940 vom Staat errichtet worden, um Bedürftige aus innerstädtischen Slums, die abgeriss en wurden, zu behausen. Der Blick streift über die Weite, ein blaues Meer unter wolkenlos blauem Himmel. Die Wellen des Ozeans ersetzen die eher spiegelgleiche Oberfläche der Bucht. Wir sind in der Bass Straight.

Aller Ruhm ist vergänglich

und so sind wir. Ein Morgenspaziergang im Norden von Tasmanien erinnert mich an die Naturgewalten, die unseren Planeten beherrschen. Das Meer ist freundlich, aber nicht zahm.

50 Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges, 1995, erinnerte die Gemeinde von Devonport daran, in dem sie einheimische Büsche nahe des Wassers pflanzte.

Federführend war Landcare, eine Basisbewegung, die sich die Pflege der australischen Landschaft auf die Fahnen geschrieben hat. Die erste Gruppe wurde 1986 nahe St.Arnaud in der Wimmera, im Nordwesten Victorias, gegründet. Landwirte sind vertraut mit dem Land, aber auch mit den Problemen, die entstehen, wenn vorallem europäische Landnutzungsmethoden auf ein Land angewandt werden, welches der Herkunft so unähnlich ist.

Melbourne heute – Gewerkschaften demonstrieren

Heute gesehen: Eine Demo für mehr Rechte der Gewerkschaften, für höhere Löhne und mehr: https://www.newspeddler.info/?p=29

Kurz zuvor: Die Proteste gegen die auf Nauru gefangengehaltenen Flüchtlingskinder nehmen zu. Gemeinnützige Organisationen erhöhen den Druck, bei der letzten Nachwahl in Sydney versprach die Wahlgewinnerin, Kerryn Phelps, sich zunächst darum zu kümmern. Und endlich scheint sich auch im Parlament etwas zu bewegen.

Ich fand diese Kreideschrift auf der Straße von Elwood:

Schnappschuss – Ein ehemaliges Waisenhaus

Vor kurzem stoppte ich morgens auf dem Weg zur Arbeit an einem ehemaligen katholischen Waisenhaus, welches heute einen Familiendienst beherbergt.

The Loud Fence, die Schleifen an den Gittern, sind Gesten der Solidaritaet mit den Opfern sexuellen Missbrauchs, ihren Familien und der Gemeinschaft, wie das angebrachte Schil erklaert.

Julia Gilliard initierte 2012 eine Royal Commission, eine Untersuchung sexuellen Missbrauchs in australischen Institutionen. Sie wurde von Peter McClennan gefuehrt und berichtete schliesslich 5 Jahre spaeter.

4 444 Menschen sagten gegen die Katholische Kirche und ihre Institutionen aus.

Wir – eine Woche Musik in Melbourne

Melbourne ist eine Stadt voller Musik. Ich nahm mir letzte Woche etwas Zeit, sie hautnah zu erleben.

Am Freitag war ich bei PBS zu Gast im Studio. Gast? Nicht wirklich. Ich bin einer von tausenden “Mitgliedern” (members), die mit ihrer Spende jaehrlich dafuer sorgen, dass der Sender im Radio und im Internet zu hoeren ist. 106.7 PBS FM ist einer von mehreren “community radio stations”, die von Melbournern getragen werden, ob als Spender oder Freiwillige, die das Programm gestalten, am Telefon sitzen, Veranstaltungen planen und mehr.

PBS ist das Zuhause der weniger gehoerten Musik, “Home of the little-heard music”. In woechentlicher Abfolge wechselt das Program zumeist zwei-, manchmal einstuendig. Meine Familie hoert gelegentlich The Breakfast Spread, die Fruehstueckssendung, oder was sonst so kommt, am Freitagabend auf einer spaeten Fahrt nach Hause Metal Genesis mit Wendy, am Montagabend Mumbai Massala mit Richi Madan, oder am Sonntagnachmittag auf der Heimfahrt aus dem Schnee 106.7 Flight to Africa, welches jede Woche mit “Africa” von Salif Keita, einem aus Mali stammenden Saenger, eingeleitet wird, einem hypnotischen Klang westafrikanischer und franzoesischer Worte.

Letzte Woche “Drive live” war eine Moeglichkeit, Bands im Studio zu sehen als auch die Moderatoren bei der Arbeit, beim Ansagen, bei Interviews und mehr zu beobachten. Jeder sucht sich einen Platz vor den Glasswaenden der Studios, um sich die dort spielenden Musiker und Moderatoren anschauen zu koennen. Ein wenig erinnert das Ganze an ein grosses Terrarium, bewohnt von der interessanten Spezies Homo musicus. Vor dem Terrarium schlagen Kinder Rad, quatschen Freunde, stehen Leute mit dem Bier in der Hand vor den Bands und hoeren ihnen zu. Als ich am Freitag im Studio reinschaute, konnte ich zunaechst MOD CON geniessen, Erica Dunn, die bei PBS ihre eigene Show hat, “Mixing Up The Medicine”, Sara Retallick and Raquel Solier.

Ein anderes jaehrliches Ereignis ist das Musikfestival in St.Kilda. Auf mehr als einem halben Dutzend Buehnen in diesem Stadtteil am Strand spielen Musiker, und zwischen ihnen pendeln die meist jungen Leute, Backpacker und Einwohner dieser Stadt, essen und trinken von den Staenden oder den Gaststaetten der Ackland Street und Umgebung, besuchen den gleichzeitig stattfinden woechentlichen Kunstmarkt an der Upper Esplanade und mehr.

Mein Favorit war die kleine Songwriters’ Stage. Ein kleines Zelt im Sand und dahinter die Seebruecke mit dem Kiosk weit draussen und der weisse Schaum der Wellen, die dem Strand entgegenrollen. In den Catani Gardens hoerte ich leicht angejazzte Musik der einheimischen Northern Folk, um dann zum Luna Park weiterzuschlendern. Hier begeisterte mich Electic Fields, ein Soul&Electronica-Duo, die Stimme von Zaachariaha Fielding, der aus dem Roten Zentrum des Landes stammt, begleitet von Michael Ross an den Keyboards. Danach spielten auf der grossen Buehne neben dem Seebad, das Meer im Ruecken, die Rockveteranen von The Models. Junge Menschen versuchten sich im Moshpit, einige trugen ihre Freundinnen auf den Schultern, es wurde getanzt, mit den Fuessen gewippt oder einfach nur auf dem Rasen gesessen.

Wesentlich “gesetzter” ging es in der Rod Laver Arena zu. Am Dienstagabend lief ich dem Olympic Precinct, der Ansammlung Melbourner Spielstaetten entgegen. Ein paar Tausend Leute gingen zum Fussballstadion, mit dunkelblauen T-Shirts und Schals ihre Verbundenheit mit Melbourne Victory zur Schau stellend, welche an diesem Abend ihre Saison in der Asian Championsleague begannen. Die anderen trugen haeufig Pink Floyd-T-Shirts. Roger Waters, Saenger und Bassist dieser Band, spielte in der Rod Laver Arena. Vor dem Eingang wurden Karten verteilt, die zur Unterstuetzung der Palaestinenser aufrief.

Es setzte den Ton fuer den Abend. Roger Waters macht heute mehr denn je Musik, die sich kritisch mit der Welt auseinandersetzt. Er erinnerte die Menge an die Anti-Atomwaffen-Bewegung, International Campaign to Abolish Nuclear Weapons, die dieses Jahr den Friedens-Nobelpreis verliehen bekam. Diese Bewegung hat seine Wurzeln auch in Melbourne, wo im Jahre 2007 die ersten Verantstaltungen stattfanden.

Er war sichtlich enttaeuscht, dass diese Preisverleihung fuer viele offensichtlich immer noch eine Neuigkeit ist. Wer weiss, war er gesagt hatte, haette er gehoert, dass die hiesige Regierung gerade beschlossen hat, Milliarden zu investieren, damit Australien zu einem fuehrenden Waffenexporter wird, um mehr Tod in die Welt zu tragen. Er mag gegen Trump und die Tories in England wettern, wir haben hier unseren eigenen Anteil an einem Zustand der Welt, fuer den man sich schaemen sollte.

Dieser Zustand der Welt ist Thema seiner Lieder und einer erstaunlichen visuellen und akustischen Praesentation.

Das Anfang der 70er veroeffentlichte Pink-Floyd-Album “The Dark Side Of The Moon” umrahmte die Show. Er begann das Konzert mit dem ersten Stueck der Platte, und beendete es mit dem letzten, und er spielte alle Stuecke, Time und Money, The Great Gig in The Sky und Us & Them, welches seiner diesjaehrigen Tour den Namen gab. Die meisten seiner Lieder waren aus den 70ern, aus den erfolgreichen Alben “Wish You Were Here”, “Animals” und ein wenig von “The Wall”, von dem er sich fuer die Zugaben bediente, und zu dessem “Another Break In The Wall” Melbourner Schulkinder auf der Buehne standen, die sich am Ende des Liedes aus ihren orangen Overalls befreiten und dann “Resist” – Widerstand – auf ihrem Koerper trugen.

Waters spielte auch zwei Stuecke von seinem neuen Album “Is This The Life We really Want?”. “Deja Vu” und “Picture That” zeigen ihn als das wuetende Pendant zu David Bowie, der seine Enttaeuschung mit dem Zustand der Welt in seinem Spaetwerk nur etwas zurueckhaltender ausgedrueckt hat.

Nichtsdestotrotz vermag Waters mit seiner Musik und der visuellen Darstellung, mit den Gesichtern und Koerpern einfacher Menschen in all diesem Chaos, eine Hoffnung zu vermitteln, wenn wir humaner, menschlicher, umgehen, wenn “Us & Them” zu einem klaren “Us” – “Wir” wird.

Wandern durch die Werribee-Schlucht

Frühmorgens machen M. und ich uns auf den Weg gen Westen. Dabei: ein paar Früchte, ein wenig Brot, verschiedenerlei Wurst und Käse, Wasser und Bier. M. hat den Weg ausgekundschaftet, eine Karte dabei, los geht’s! Das Wetter ist soso, nicht Fisch, nicht Fleisch, grauer Himmel, trotzdem hell, Regen: nein. Über die West Gate Bridge, die Western Ring Road, dann Richtung Ballarat. Nach Passion Play kommt Tom Petty aus den Lautsprechern, ein Konzert in den Hamburger Docks. Unser Gespräch dreht sich um Musik, um unsere Frauen, ein paar Ideen, die Landschaft, durch wir fahren, die Fahrweise der Aussies. Es ist Samstagmorgen, die Autobahn ist nur mäßig befahren, die geringe Geschwindigkeit von 110km/h maximal und die ziemlich teuren Strafzettel sorgen für eine entspannte Fahrt, wenn ich es mit Deutschland vergleiche. Entspannt erreichen wir die richtige Ausfahrt, einmal kurz verfahren und wir sind da. Die letzten paar hundert Meter geht es über eine unbefestigte Straße, unser Stadtauto muß ein paar ordentliche Bodenwellen verkraften, dann sind wir am Parkplatz.

Der Werribee River fließt westlich der Port Phillip Bucht entgegen, 110km lang. Diese Gegend ist durch vulkanische Aktivitäten geprägt, Basalt ergoß sich seit dem Devon über die Ebene. Die Erhebungen nahe der Werribee-Schlucht sind Vulkane und Basaltflüsse aus dem Perm vor etwa 280 Millionen Jahren. Später wurde die Landschaft während Eiszeiten durch Gletscher überformt, die Gipfel abgetragen, die Kanten abgeschliffen, die Landschaft wurde runder. Ein wenig erinnert es mich daher an die Gegend um das thüringische Jena, welche wohl eine ähnliche Erdgeschichte hinter sich hat. Auch wenn die Bäume, die Büsche, Blumen und Vögel hier anders aussehen, die Formen der Landschaften lassen mich trotzdem ab und an an meine alte Heimat denken.

Mit leichten Gepäck machen wir uns auf den 10km langen Rundweg. Es sind schon einige Autos hier, doch noch ist es sehr ruhig. Später begegnen uns mehr Menschen, Studenten sind nicht so früh unterwegs wie wir. So haben wir den Weg zunächst zumeist für uns, bergauf, bergab über rote Erde, Steine durch den australischen Busch. Wir entfernen uns vom Fluß und haben ein paar schöne Ausblicke, Täler und Berge, weit im Osten ragen die Türme der Melbourner Innenstadt aus der Ebene um die Bucht, dahinter das dunkle Band der Dandenongs, der Bergkette im Osten der Stadt. Melbourne ist mehr als 50km entfernt, der Blick sagt etwas über die Plattheit an der Bucht und die klare Luft, die wir hier im Süden des Kontinents genießen.

Unsere Wanderung wird vom Geplätscher unserer wortwerdenden Gedanken begleitet, oft aber stapfen wir stumm daher, ab und an für ein paar Fotos anhaltend. Es dauert nicht lange und wir haben, der Wegzeichnung nach, die Hälfte geschafft, wir werden wesentlich weniger als die am Anfang angegebenen 5 Stunden brauchen. Am Ende werde es etwas mehr als 3 sein, da der Weg am Ende etwas schwieriger wird.

Nach dem westlichsten Ausblick geht es nähmlich nach Süden, hier folgen wir nun dem Wasser des Flusses, während über uns die waldbestandenen Basaltsäulen in den Himmel ragen. Wir gelangen so an ein Badeufer, Needle Beach. Es fällt uns nicht schwer sich vorzustellen, daß diese Landschaft für die australischen Ureinwohner von Bedeutung ist. Der Fluß wird ihnen Fisch gegeben haben, das Wasser lockt Tiere heran,und ein Bad im heißen Sommer verheißt Erfrischung.

Danach kommt der forderndste Abschnitt der Wanderung. Hier treffen sich Fluß und hohe Felsen, an denen man herumklettern muß. An einer Stelle haben die Parkwächter gar Stahlseine angebracht, an denen man sich festhalten kann. Ich bin erstaunt, danach einen jungen Mann auf Krücken zu sehen, der sich zwischen ihnen schnell davonschwingt. Er scheint sich seiner Sache sicher zu sein.

Die letzte Strecke gehen wir einen Weg entlang, der einem Bauern zu verdanken ist, der von 1924 bis 26 mit Dynamit einen Wasserweg in die Felsen geprengt hat, um seine Lupinenfelder zu bewässern.

Schließlich erreichen wir den Parkplatz, an dem wir gestartet sind. Bier und Brot schmecken gut, während wir bunten Vögelchen beim Krumenpicken zuschauen. Entspannt geht es dann nach Hause.

 

Ein Abend in Collingwood

Ein wenig schmerzt noch immer der Verlust des Arthouse, an der Ecke Elizabeth und Queensberry, wo heute The Last Jar Irisches anbietet. Auch nicht schlecht, aber eben nicht das Farthouse, für jüngere und nicht so jüngere Freunde der lauten Musik, von Punk, Metal und Verwandtem, lange das Zuhause war.

Peter A., der alte Schwede, hat mir das Bendigo Hotel in Connlingwood empfohlen. Ein Blättern durch den Gig Guide des Beats führte mich heute dorthin.

Die Fahrt dorthin war schon die Reise wert, ein kälter werdender Frühlingsabend bescherte uns einen goldenen Sonnenuntergang. Noch heute fasziniert mich das mediterrane Licht und die klare Luft, die Melbourne oft glänzen läßt. Ein Regenguß kurz davor trug das seine dazu bei.

Im Bendigo begrüßte mich ein Türsteher, eine grungy Frontbar, Poster der bevorstehenden Konzerte, ein Foto des jungen Lemmy von Motorhead, diverse kleine Gruseligkeiten wie kahle Schädel, und ein Barmann, der mir die Pinte Bier (560ml) White Rabbit, lustigerweise ein dukles Bier, einschenkte, zum stolzen Preis von 12 Talern. Noch ohne Abendessen, bestellte ich Lammkeule, diese für nur 15 Dollar, für Melbourner Verhältnisse geradezu geschenkt. Als das Essen kam, war ich etwas überrascht, es kam im Pappbecher mit hölzernem Wegwerfbesteck. Damit Fleisch zu schneiden ist schwierig, so daß ich zur Handarbeit übergehe. Kein Spitzenessen, aber es füllt den Magen.

Meine Stimmung wird nicht nur durchs Mahl, sondern auch durch ururalte AC/DC-Songs gespeist, durchs “Dirty deeds done dirt cheap”-Album mit Bon Scott. Ab und an wird dies durch den Soundcheck aus dem Nachbarraum übertönt, und als die erste Band dann richtig loslegt, gehe ich hinein.

Der Raum ist dunkel und hat die gewisse Patina von hunderten bier- und musikgeschwängerten Abenden. Eine angestrahlte bleiche Gestalt erinnert mich an Dobbie aus den Harry-Potter-Filmen, der Menschen sind es nicht viele, die meisten Musiker und ihre Freundinnen und Freunde.

Zuerst spielen die Shitty Tatts, vier junge Männer, deutlich Melbourne. Rechts der Richmond-Supporter im gelb-schwarzen T-Shirt, offensichtlich immer noch den Meisterschaftsgewinn im Footy am letzten Wochenende feiernd, in der Mitte trägt der Gitarrist den Spruch “I love the smell of Napalm in the morning” aus Apocalypse Now. Sänger und Schlagzeuger tragen weniger auffällige Kleidung. Gespielt wird Punkiges, schnell, hart und melodiös, eine Erinnerung an 1980. Mir gefällts.

Danach kommen die Silverlight Shadows, ein klassisches Rock-Trio. Sie meistern diese Besetzung glänzend, heraus kommt dichter, präziser Rock, der Sound einer gutgeölten Kettensäge, Grunge, Stoner Rock? Irgendwie sowas, längere Passagen,die mehr durch konzentrierte Rhythmen denn durch Soli auffallen. Der Gesang ist gut, aber ein wenig zu wenig dominant für meinen Geschmack. Das war aber auch schon alles, was ich auszusetzen habe. Es war eine weitere Band, die die Reise wert war, der Abend hatte sich gelohnt.

Nun kam der Headliner, Monarchus. Ebenfalls ein Trio, die Gitarristin war auch zumeist die Sängerin. Vielleicht lag es an einsetzender Müdigkeit, aber so richtig war ich nicht zu begeistern. Ich weiß nicht, ob hier nicht auch ein Kräftemessen zu spüren war, Bassist und Schlagzeuger schienen mir die Frau an der Gitarre zu erdrücken. Ich hätte ihr mehr gegönnt, ihre Stimme erinnerte mich an Blondie, und sie hatte eine Hauptrolle verdient. Als ich das Lokal verließ und nach Hause radelte, hatte ich den Drive von Call Me im Kopf.

Soweit mein Abend im Bendigo Hotel. Ich kann den Laden besten Gewissens weiterempfehlen, wenn man auf erdigen Rock’n’Roll der nicht weichgespülten Art steht.

Dieser Bericht wurde absichtlich ohne Bild und Ton verfaßt. Erstens darf sich jeder vorstellen, wie es wohl aussehen mag, zweitens selbst nachgucken, und drittens mag ich oft keine Fotos machen, wenn ich Musik und Ambiente genieße. Das klingt zu sehr nach Arbeit..

Und dafür ist gute Musik dann doch zu schade!